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Berufliche Integration (I) Traumjob hinterm Tresen

Das ALEX ist alles in einem: Café, Kneipe, Bistrorant und zwar zum Frühstück, mittags, abends – immer. Für alle Generationen bietet die angesagte Location in der Wiesbadener City Entspannung, Genuss und vor allem jede Menge Emotion. Wer dort arbeitet, will den Gästen genau dieses Erlebnis verschaffen. Für Hans-Joachim Baader – ein Traumjob! 

Hinter dem Tresen ist der 32–jährige Mitarbeiter der Reha-Werkstatt (rechts im Bild) in seinem Element. Jeder Handgriff sitzt, wenn er den Kaffeeautomaten bedient und seine berühmte Latte-Art für die Gäste zaubert. Auch sein Chef und Betriebsleiter Jacek Drab (links im Bild) ist voll des Lobes: „Er ist unser Barista-Meister.“ Der Profi für den Kaffee. Kein anderer könne so geschickt Ornamente, Drachen und Blumen aus Milchschaum kreieren. Anleitungen für besondere Motive suchte er selbstständig im Internet. 

In der Frühschicht ab 7 Uhr wuppt Hans-Joachim Baader mit einem Kollegen allerdings noch viel mehr: Zuerst wird das Frühstücksbuffet aufgebaut – alles muss stimmen, die Auswahl und Platzierung der Speisen und des Geschirrs, die Menge, die Dekoration, die Präsentation. Nichts ist dem Zufall überlassen, hinter allem steckt Konzept. Dass Hans-Joachim Baader mit guten Voraussetzungen hierhergekommen ist, dafür hat die Reha-Werkstatt gesorgt. Der hochmotivierte junge Mann konnte dort im GenussWerk, der hauswirtschaftlichen Abteilung, seine Erfahrungen als Küchenhelfer ausbauen. Die Systemgastronomie wollte er unbedingt kennenlernen! Über seinen EVIM Jobcoach Thomas Vogel kam der Kontakt zum ALEX zustande. Das war vor etwa zweieinhalb Jahren. Jacek Drab sei ein Glücksfall, freut sich auch Werkstattleiter Stefan Berg. Der Gastronom aus Leidenschaft hat nicht nur langjährige Erfahrungen beim Einsatz von Praktikanten, sondern auch das richtige Gespür für den Werkstatt-Mitarbeiter. 

Los ging es zunächst in der Spülküche. Schon bald stand Hans-Joachim Baader dem Koch zur Seite und bereitete schließlich selbst einfache Speisen nach Rezept und strengen Vorgaben zu. Nach einem halben Jahr war es dann soweit. Er durfte „nach vorn“, in den Gästebereich mit 160 Plätzen innen und 140 Plätzen außen. Er lernte rasch. „Man muss üben und sich immer wieder selbst überprüfen, ob die Qualität noch stimmt“, sagt er selbstbewusst.  Auf seine „Königsdisziplin“, die Latte-Art, sei sogar der Geschäftsführer der ALEX-Gastronomie persönlich aufmerksam geworden, weil sie ihm schon zum Frühstück den Tag versüßt habe, ergänzt Drab launig und mit Stolz. 

Wer im ALEX arbeitet, sollte absolut pünktlich, zuverlässig und flexibel sein. All das bringt Hans-Joachim Baader mit. Wenn das Geschäft brummt, wird später Pause gemacht. So sei es für den Bad Schwalbacher auch kein Problem, mal am Wochenende auszuhelfen oder für einen erkrankten Kollegen einzuspringen. „Hans hat sich supertoll entwickelt“, freut sich Drab. Selbst wenn zu Stoßzeiten bis zu 200 Heißgetränke pro Stunde zubereitet werden müssen, hält er das aus. Ein toller Erfolg! 

Der Kontakt zur Reha-Werkstatt ist sehr gut. Die Mitarbeiter auf Außenarbeitsplätzen treffen sich regelmäßig in einer Begleitgruppe, sagt EVIM Jobcoach Elisabeth Mehnert, die wie ihr Kollege Thomas Vogel auch für die Unternehmen jederzeit da ist. „Viele Firmen wissen allerdings nicht, dass Beschäftigungsverträge nicht zur Übernahme von Mitarbeitern verpflichten“, erläutert sie eine vermeintliche Hemmschwelle, Menschen mit Behinderungen einzustellen. Hier hat Betriebsleiter Jacek Drab einen Tipp: Den Menschen einfach eine Chance geben. Und viel Geduld mitbringen. „Das allerdings trifft auf alle meine Mitarbeiter zu und der Hans, der gehört zu den Pflegeleichten“, schmunzelt Drab und klopft seinem Barista-Meister anerkennend auf die Schulter. Hans-Joachim Baader macht die Arbeit im Team Spaß. „Hier möchte ich bleiben“, wünscht er sich.