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Berufliche Integration - Beispiele machen Schule

Daten scannen, Elektrogeräte prüfen, Systeme programmieren, in der Gastronomie und als Alltagsassistent arbeiten. Oder draußen im Team mit Garten- und Landschaftsgärtnern, Reinigungsprofis und im Fuhrpark? So unterschiedlich die Interessen und Fähigkeiten von Werkstattmitarbeitern sind, viele eint der Wunsch: über den Tellerrand hinausschauen, neue Kollegen kennenlernen und Berufserfahrungen nah am ersten Arbeitsmarkt sammeln. Wie gut das funktioniert, zeigen die beiden EVIM Werkstätten.

Die Vielfalt an Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen, ist riesig. Das reicht von betriebsintegrierten Beschäftigungsplätzen über Außenarbeitsteams bis zu 30 Mitarbeitern, Außenarbeitsgruppen, die fest als Team mit personengebunden Verträgen in Unternehmen arbeiten bis hin zu Erprobungspraktika. Ebenso vielfältig sind die Kooperationspartner, darunter Kindergärten, Schulen, Pflegeheime, namhafte Unternehmen wie Fresenius, Institutionen wie die Hessische Staatskanzlei und inhabergeführte Start-ups. Fit gemacht für den Job werden die Mitarbeiter mit einem passgenauen Kurs- und Qualifizierungsangebot. Ein EVIM Jobcoach steht ihnen auch während ihres Einsatzes zur Seite.

Und die EVIM Werkstätten sind darin überaus erfolgreich. Von aktuell 410 Klienten der Reha-Werkstatt sind 140 in BiBs und Praktika tätig. In der Schlocker-Stiftung sind aktuell 36 Klienten in einem BiB; seit 2009 wurden dort weit über 200 Praktika vermittelt. Dahinter stehen unzählige Gespräche, Akquise und Kontaktpflege, um passgenaue Arbeitsangebote außerhalb der Werkstätten zu vermitteln, die Bestand haben. Insgesamt sechs EVIM Fachkräfte für berufliche Integration und vier Fachkräfte für Akquise machen sich dafür stark. Der Trend zum Arbeitsplatz außerhalb der Werkstatt ist ungebrochen. Können die Werkstätten die Nachfrage erfüllen?

Der Weg ist das Ziel

Werkstattleiter Peter Griebel sieht die Schlocker-Stiftung regional von Frankfurt bis Idstein „gut aufgestellt“. Die Vielfalt der Angebote, sich beruflich und persönlich zu entwickeln, sei immens. „Für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung ist es ein riesiger Schritt, sich auf ein Praktikum oder BiB vorzubereiten“, weiß Griebel aus seiner langjährigen Erfahrung. Und die Erfolge zeigen, dass das hervorragend gelingt. Der Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis ist allerdings aus unterschiedlichen Gründen noch die große Ausnahme. Hier gilt wie überall „der Weg ist das Ziel“.

Der Leiter der Reha-Werkstatt Stefan Berg erlebt die Betriebslandschaft im Rhein-Main-Gebiet als „sehr offen“. Oft habe man einen Vertrauensvorschuss von Seiten der Unternehmen, der dann durch die eigenen Leistungen auch eingelöst werden muss. Im Rheingau-Taunus-Kreis sind mit Idstein und Oestrich-Winkel zwei starke Standorte der Reha-Werkstatt. Dazwischen sei aber noch „viel Luft“, meint er schmunzelnd. Will heißen, hier träfe ein stärkeres Engagement der vielfältigen Betriebslandschaft bei ihm und seinem Team auf offene Ohren und ganz weit geöffnete Türen. „Aber auch wir müssen stärker dort Flagge zeigen“, meint er mit Blick auf die Herausforderungen.

Beispiele machen Schule

Manchmal müssen auch „dicke Bretter gebohrt werden“, um Unternehmen und Institutionen von den Chancen und Möglichkeiten zu überzeugen, Menschen mit Beeinträchtigungen einzustellen. Die Fachkräfte aus beiden Werkstätten leisten hier viel Aufklärungsarbeit. Nicht selten erleben sie in Gesprächen einen „Aha-Effekt“, der in einer überaus erfolgreichen und oft dauerhaften Kooperation mündet, wenn die richtigen Partner zusammenfinden. Beispiele sind der stark boomende Bereich der Elektrogeräteprüfung in Unternehmen, die leistungsstarke Außenarbeitsteams selbstständig erledigen. „Das läuft richtig gut“, freut sich Berg. Ein riesiges Potenzial sieht Peter Griebel zum Beispiel in der Alltagsassistenz. Bereits fünf Mitarbeiter sind in EVIM Seniorenzentren im Einsatz. Das ist nach seinen Worten ein ganz wichtiger Baustein auf dem Weg aus dem Berufsbildungsbereich in Unternehmen außerhalb der Werkstatt.

Mut zu Neuem

Ideen für die Zukunft gibt es in beiden EVIM Werkstätten, denn es gilt, neue Marktzugänge zu finden, um auch zukünftig so erfolgreich Klienten zu vermitteln. Ziel für die Reha-Werkstatt ist es dabei, die Arbeit noch stärker ins Gemeinwesen zu verlagern und werkstattferner zu begleiten. Für die Schlocker-Stiftung sollen die Klienten, die von der Schule direkt in Betriebe gehen, stärker in den Fokus rücken.

„Die Übergänge aus der Werkstatt und bei Bedarf zurück sind flexibel. Für beide Seiten! Unternehmen können daher mit ruhigem Gewissen und ohne Risiko Menschen mit Beeinträchtigungen eine berufliche Chance geben“, ermutigt Geschäftsführerin Renate Pfautsch potentielle Kooperationspartner, diesen Schritt zu wagen.

Viele spannende Erfolgsgeschichten sind Beweis dafür, über die wir in diesem Jahr in einer Serie berichten.