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Berufliche Integration (II) - Mit den richtigen Partnern zum Ziel

Vom Kinderhaus bis zum Abitur werden am Montessori-Zentrum Hofheim e.V. etwa 360 junge Menschen begleitet. In den drei Schulküchen arbeiten drei Klienten der Werkstatt Schlocker-Stiftung. Für eine Klientin ist der Arbeitsplatz ein ganz besonderer Glücksfall.

Im Eingangsbereich des Kinderhauses ist immer was los, wenn die Jüngsten gebracht oder abgeholt werden. Genau dort ist die Küche und damit seit fast fünf Jahren das Reich von Kerstin Krejcek (Foto). Man könnte den Raum fast mit einem Empfang verwechseln, so offen und einladend wie er gestaltet ist. Tadellos aufgeräumt. „Wenn ich hier arbeite, steht gar nix rum“, sagt die 45 Jahre junge, sympathische Frau mit Nachdruck und verteilt das durch einen Caterer angelieferte Essen in Schüsseln und Schälchen. Sie prüft die Temperatur, exakt 65 Grad, und bestückt den Servierwagen mit allem, was für den Mittagstisch benötigt wird. Davor hat sie bereits das Nachmittags-Geschirr vom Vortag gespült. 

Ihre Chefin ist Annette Heißenberg, die das Kinderhaus leitet. Sie schwört auf ihre Mitarbeiterin und möchte sie am liebsten so lange behalten, bis sie selbst einmal in Pension geht. Anette Heißenberg hatte vor fünf Jahren den Kontakt zur Schlocker-Stiftung gesucht. Damals brauchte sie eine Mitarbeiterin in der Küche. Ralf Thies, Fachkraft für berufliche Integration in der Schlocker-Stiftung, stellte den Kontakt zu Kerstin Krejcek her. Für die Mitarbeiterin war das der ideale Arbeitsplatz. Sie hatte bereits in einer Kindergartenküche in Wiesbaden-Bierstadt gearbeitet und auch den Trubel kennengelernt, der zusätzlich durch Baumaßnahmen entstehen kann. Daher war ihr die Situation in Hofheim vertraut, denn sie begann quasi auf einer Baustelle. „Eine riesengroße Herausforderung“ erinnert sich Ralf Thies, die sie souverän gemeistert habe. Und sie brauchte nur eine kurze Einarbeitungszeit, um alle Abläufe sicher zu beherrschen. „Frau Krejcek ist zupackend, denkt mit und arbeitet umsichtig“, lobt Thies. Wichtig ist ihr eine strukturierte Umgebung. Die junge Frau war in den neunziger Jahren bereits in der Schlocker-Bäckerei eine sehr gefragte Mitarbeiterin, die man nur schweren Herzens gehen ließ. 

Kerstin Krejcek ist jedoch nicht nur eine geschätzte Mitarbeiterin. Sie ist auch alleinerziehende Mutter ihres heute 14 Jahre alten Sohnes Nico, der im Montessori-Zentrum eine Schulheimat gefunden hat. „Er hat sich so positiv entwickelt!“ Sie strahlt voller Freude und Glück und berichtet, dass er sogar manchmal dem Hausmeister hilft. Dass sie diesen Schulplatz bekommen haben, ist dem großartigen Engagement des Kaufmännischen Vereinsvorstands Ralf Beyer und Annette Heißenberg zu verdanken. Sie halfen dort, wo es nötig war und ermöglichten Nico den Unterstützungsbedarf, den er brauchte, zum Beispiel durch einen Integrationslehrer. Das hat allen viel gebracht, aber ganz besonders ihrem Sohn, der jetzt (trotz der Pubertät) viel entspannter sei, wie sie gern erzählt. 

Das Betriebsintegrierte Beschäftigungsverhältnis (BiB) von Kerstin Krejcek ist inzwischen in ein dauerhaftes BiB umgewandelt worden. „Diese Möglichkeit besteht durch den Gesetzgeber seit dem vergangenen Jahr“, freut sich Thies. Ihr Vertrag muss also nicht mehr jährlich verlängert werden. Aus Scherz fragt er Kerstin Krejcek, ob sie zurück in die Werkstatt möchte. Sie schaute erst ganz verdutzt und sagte dann lachend: „Dann streike ich!“ Die Arbeit macht ihr Spaß und alle sind nett. Manchmal wird sie sogar zu Kindergeburtstagen eingeladen. Das sei wirklich toll!

Foto: EVIM/Oliver Hebel