Wir sind da, wo Menschen uns brauchen

Aktuelle Meldungen

Berufliche Integration IV: Individuelle Lösungen führen zum Erfolg

Zum Team der Poststelle im Dienstleistungszentrum (DLZ) der Landeshauptstadt Wiesbaden gehören seit Mitte November vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Reha-Werkstatt. "Diese Kooperation ist ein Beispiel dafür, wie langjährige Erfahrung und fachliche Kompetenz gewinnbringend für alle Beteiligten sind", resümiert der Leiter des Hauptamtes Christian Hepp nach den ersten Projektwochen. 

Wer die Poststelle betritt, ist gleich mitten im Geschehen. Es gibt keinen räumlichen Unterschied zwischen den Arbeitsplätzen von Werkstattmitarbeitern und Stammpersonal. „Auch das ist Teil der beruflichen Integration, wie wir sie verstehen“, sagt Silvia Jamin, die den Bereich leitet. Gemeinsam haben Hepp und Jamin den Einsatz von Menschen mit Beeinträchtigungen im DLZ vor drei Jahren auf den Weg gebracht. Bei ihnen trafen Bernhard Schmauch, stellvertretender Werkstattleiter, und Jobcoach Simon Giller auf „weit geöffnete Türen“, um Klienten außerhalb der Werkstatt berufliche Perspektiven zu bieten. „Ein unschätzbarer Vorteil“, lobt Schmauch. Und Giller ergänzt: „Wir wurden hier schnell und sehr gut aufgenommen." 

Zuverlässigkeit in der Dokumentation  

Die Arbeit in dem sensiblen Bereich ist komplex und erfordert neben fachlichen Kenntnissen vieles mehr. Man muss genau sein, zuverlässig und Aufgaben in einem bestimmten Zeitfenster erledigen. Besonders wegen der speziellen Anforderungen des Kassen- und Steueramtes in Bezug auf den Posteingang und die Weiterleitung müssen zahlreiche Arbeitsschritte penibel eingehalten werden. Für die intensive Vorbereitung und Einarbeitung braucht es souveräne Ansprechpartner und Begleitung. Für Jadwyga Tyzlik, Andrea Scherer, Khalida Lapiner und Richard Himolik sind dies vor allem Simon Giller und Kevin Trybul, Mitarbeiter im Projekt „Zentrales Scannen“ der Poststelle. Die beiden sind ein Super-Team. Besonders in der Anfangsphase waren Trybuls ruhige Art, seine Geduld und sein umfangreiches Know-How eine große Hilfe, um all das zu lernen, was im Handbuch und in der Handakte dokumentiert ist. 

Die Eingangspost wird nach genauen Vorschriften sortiert, geöffnet, für den Scanprozess vorbereitet, eingescannt und schließlich validiert, das heißt: elektronisch an die einzelnen Sachbereiche verschickt. „Gut 300 Briefe pro Tag, montags oft deutlich mehr“, sagt Silvia Jamin. Zudem werden im Schnitt täglich 800 Seiten eingescannt. Von großem Vorteil ist, dass die Reha-Werkstatt eine leistungsfähige Scan-Abteilung besitzt, in der das Team geschult wurde. So kannte Andrea Scherer bereits einige technische Geräte. Für Khalida Lapiner waren die ersten Tage „sehr anstrengend“, obwohl Computer-Arbeitsplätze ihr vertraut sind. Auch Jadwyga Tyzlik war zu Beginn „sehr aufgeregt“, weil sie alles perfekt machen will. „Jetzt macht mir die Arbeit Spaß!“ freut sie sich und ist wie ihre Kolleginnen stolz auf das, was sie leistet. Auch anderes kommt gut an. Für Jadwyga Tyzlik ist es das unkomplizierte Miteinander. „Mir gefällt es, einfach wieder mit Gesunden zu sprechen, andere Themen zu hören. Es ist eine ganz andere Welt als in der Werkstatt.“ Ihre Kolleginnen loben die Höflichkeit und die Hilfsbereitschaft. Richard Himolik hört gespannt zu, denn er ist erst seit ein paar Tagen mit dabei. Er weiß, dass er noch Anleitung braucht. Dass die vier sich untereinander helfen, ist für sie selbstverständlich. 

Vertrauen wagen 

Inzwischen läuft es richtig gut. Im 14-tägigen Wechsel arbeiten jeweils zwei von ihnen in der Poststelle und die anderen beiden in der Reha-Werkstatt. Auch dieses Arbeitsmodell ist Beispiel dafür, was möglich ist, wenn alle Beteiligten offen sind für kreative Lösungen. Hepp und Jamin empfehlen anderen Unternehmen, die Zusammenarbeit einfach mal auszuprobieren. „Ein offener und ehrlicher Umgang miteinander ist wichtig für den Erfolg“, so Silvia Jamin. Das sei nicht anders als bei allen anderen auch. Christian Hepp appelliert an den Mut der Unternehmen, Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Trägers zu haben. Damit gewinnen alle. „Wir sind das beste Beispiel dafür“, sagt Hepp auch mit Blick auf zwei Mitarbeiter mit Handicap, die im Hauptamt inzwischen fest angestellt sind. Vor der Reha-Werkstatt hatten andere den Auftrag. Das Kassen- und Steueramt habe den Trägerwechsel gar nicht bemerkt, meinte der Amtsleiter schmunzelnd. Das sei doch schließlich das größte Kompliment!

Foto (O.Hebel): (v.l.n.r.) Richard Himolik, Silvia Jamin, Kevin Trybul, Simon Giller, Julia Gomer (Azubi), Khalida Lapiner, Andrea Scherer, Jadwyga Tyzlik und Bernhard Schmauch.