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Perspektiven für Flüchtlinge bei EVIM (II): "Ich helfe gern"

Ganz höflich lässt er den Damen Vortritt durch die vielen Türen des Seniorenzentrums Walluf. Caven G.* ist ein freundlicher, zuvorkommender junger Mann, der bei den Bewohnern der EVIM Einrichtung im Rheingau erkennbar beliebt ist. Er streichelt einer alten Dame im Rollstuhl über den Rücken, macht mit einer anderen einen Scherz und nimmt die Hand eines älteren Herrn, der sonst keine Möglichkeit mehr hat, zu kommunizieren. G., noch keine 20 Jahre alt, ist hier am richtigen Platz gelandet. Auch wenn er nicht ganz freiwillig den Beruf des Altenpflegers ergriffen hat. Aber er hat ein echtes Händchen für den Umgang mit den Senioren, ist offen, zugewandt und zupackend.  

In Sorge um die Familie 

Dabei bringt er eine tragische Geschichte mit. 2012 musste er aus seinem Heimatland Äthiopien fliehen. Da ging er noch zur Schule und lebte allein mit seinem Vater und seiner Großmutter. Die Mutter war bei seiner Geburt gestorben. „Mein Vater hatte politische Schwierigkeiten“, umschreibt Caven G., der inzwischen gut Deutsch gelernt hat, etwas vage die Problematik, die zu seiner Flucht geführt hat. Er schluckt heftig, als er erzählt, dass der Vater im Gefängnis war. „Er wurde dort zusammengeschlagen.“ Es war klar, dass dem Sohn Ähnliches drohte. Ein Freund seines Vaters besorgte Geld für einen Flug nach Europa. „Erst, als ich in Frankfurt aus dem Flugzeug stieg, wusste ich, dass ich nun in Deutschland war“, berichtet Caven, der zu der Zeit „nur ein bisschen Englisch“ neben seiner Muttersprache Amharisch sprach. Er gelangte in die Unterkunft für unbegleitete minderjährige Ausländer in Kiedrich. „Ich ging zur Schule, machte einen Deutschkurs“, erzählt er. Bald schaffte er den Hauptschulabschluss. 

 „Ich kann mich selbst finanzieren“ 

Ein Praktikum in einer EVIM Einrichtung ließ den Entschluss reifen, sich für die einjährige Altenpflegehelferausbildung zu bewerben. „Ich habe mich in Äthiopien um meine Oma gekümmert. Außerdem mache ich gerne was mit Menschen. Ich helfe gern“, sagt Caven zu seiner Motivation. Inzwischen hat er eine eigene Wohnung gefunden. „Ich kann mich selbst finanzieren“, sagt er stolz. Als Altenpflegehelfer erhielt er einen Arbeitsplatz im Seniorenzentrum Walluf/Schierstein. „Es macht mir Spaß. Ich habe eine nette Chefin. Ich bin hier richtig“, sagte Caven im Februar und, dass er dennoch Heimweh habe und eines Tages nach Äthiopien zurückwolle. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, sich weiter zu qualifizieren. Im Frühjahr begann er die Ausbildung zur Altenpflegefachkraft. Seine Stammeinrichtung ist jetzt das Katharinenstift in Wiesbaden.  (*Name von d. Red. geändert)

Anja Baumgart-Pietsch
Foto: EIM/Lisa Farkas