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Seniorenzentrum wird zur Bühne - Theatertherapeut Björn Kaltwasser mit Förderpreis geehrt

Mit dem Förderpreis des Vereins „Agape – Alter(n)smedizin – Geriatrie Wiesbaden-Rheingau-Taunus“ wurde in diesem Jahr der Theatertherapeut Björn Kaltwasser ausgezeichnet. Auf dem jüngsten Geriatrie-Kolloquium erhielt er den mit 2 000 Euro dotierten Preis von den Vorstandsmitgliedern Dr. Harald Mayer und Johannes Weber, Leiter der Altenarbeit im Amt für Soziale Arbeit.

Ungewöhnliche Berufsbiografie

Aus sieben Bewerbungen war das außergewöhnliche Projekt „Theater-Spiel-Freude“ des 46-Jährigen ausgesucht worden, der sich durch einen ebenso außergewöhnlichen beruflichen Erfahrungsschatz auszeichnet. Nach der Arbeit in einer Brauerei und in der Krankenpflege schloss er ein Studium der Theaterwissenschaft, der Deutschen Philologie und Komparatistik (Vergleichende Literaturwissenschaft) an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz mit dem Magister ab und absolvierte seitdem viele Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen. „Diese Lebenserfahrungen sind klasse, weil man sich so auf viele unterschiedliche Menschen einlassen kann“, sagt das Multitalent.

Sein Projekt „zur Förderung der Ressourcen und Resilienzkräfte für Menschen mit Demenz“ überzeugte den Vorstand des Agape-Vereins, der Senioren dabei unterstützen möchte, ihre Gesundheit zu erhalten und aktiv sowie sozial eingebunden zu bleiben. Die Idee von „Theater-Spiel-Freude“ geht auf den früheren Leiter des Katharinenstifts, Thomas Beer, zurück. Dieser hatte bei Kaltwasser schon vor zehn Jahren ein entsprechendes Angebot im EVIM Seniorenzentrum angeregt. Und so können sich die Bewohner dieser Einrichtung seit Langem einmal pro Woche eine Stunde lang unter der Regie des Theatertherapeuten in selbstbestimmtem Handeln für und mit anderen ausprobieren – und das unabhängig vom Grad ihrer Erkrankung. Denn beim Theater sind die Möglichkeiten unbegrenzt; sie umfassen Singen, Bewegen und Spielen gleichermaßen und scheinen dank diesem ganzheitlichen, künstlerischen und spielerischen Ansatz die Betroffenen zu erreichen, wie Kaltwasser betonte.

Stegreifspiel

Mit seinem Projekt möchte er demenziell erkrankte Menschen aus der Vereinsamung holen, sie dazu bewegen, zum Geschehen in der Gruppe beizutragen und ihre innere und äußere Beweglichkeit zu erhalten. So hatte er beispielsweise aus dem Stegreif einer Gruppe von fünf Frauen und einem Mann im Alter von 80 bis 90 Jahren über spielerische Impulse die von einer Teilnehmerin gewünschte „Forschungsexpedition nach Australien” ermöglicht: Diese Reise war mit dem Zuspiel von Bällen gestartet. „Im Schutz der Rolle und des Spiels können Themen wie Tod, Einsamkeit oder Heimweh Ausdruck finden und den Raum bekommen, den sie brauchen. Ebenso können individuelle biografische Szenen dargestellt werden oder auch völlig neue Improvisationen entstehen. Alles, was im Hier und Jetzt entsteht, ist erlaubt“, erklärte Kaltwasser.

Er berichtet von beeindruckenden Erfahrungen während seiner Theatertherapie, deren schönstes Lob von einer Betreuungskraft des Seniorenstifts stamme: „Wenn die Bewohner aus der Stunde kommen, wirken sie so beseelt!“

Von Angelika Eder
Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Wiesbadener Kurier

Foto (Wiesbaden): Preisträger Björn Kaltwasser (Mitte) erhält den mit 2.000 Euro dotierten Preis von Harald Mayer (links), Vorsitzender des Vereins Agape, und Vorstandsmitglied Johannes Weber (rechts).