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Erziehungswissenschaft statt Maschinenbau – Sozialkompetenz entwickeln und damit Karriere machen

Er war schon drauf und dran, ein Maschinenbaustudium zu beginnen. Aber nun ist George Yazarlioglu mit großer Begeisterung im sozialen Berufsfeld tätig: Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei EVIM zeigte ihm seine wahren Stärken, nämlich den Umgang mit jungen Menschen.

Yazarlioglu ist  seit einigen Jahren Teamleiter in der FSJ-Abteilung von EVIM und für eine von sechs Gruppen junger Freiwilliger verantwortlich.  Sein FSJ war seinerzeit eigentlich eher durch Zufall und persönliche Empfehlungen zustande gekommen. Er wollte nach seinem Abitur Zivildienst machen und erfuhr, dass da auch noch was anderes geht. Das FSJ dauerte zwar mehrere Monate länger als der Dienst als Zivi, doch Yazarlioglu interessierte sich gleich für die ihm angebotene Einsatzstelle im Wiesbadener Kinderbauernhof.

Zu Anfang zwei Dutzend Stellen

Vor genau zehn Jahren kam Karin Falkenstein, die die Abteilung Freiwilliges Engagement bei EVIM leitet auf die Idee, EVIM als Träger von Freiwilligenstellen zu profilieren. Mit zwei Dutzend Stellen, auch von anderen Anbietern, die die Strukturen von EVIM nutzen konnten, startete man 2008 – darunter auch damals schon vier junge Geflüchtete. Mittlerweile sind 150 FSJ’ler und Bundesfreiwilligendienstler aktiv. „Als dann die Wehrpflicht und somit der Zivildienst abgeschafft wurden, gerieten wir nicht unter Druck wie viele andere soziale Organisationen. Wir waren mit unseren vielen FSJ’lern gut aufgestellt“, sagt Falkenstein. Das Programm wurde ständig den veränderten Anforderungen angepasst. So legte man, noch bevor die Flüchtlingszahlen stark stiegen, bereits ein Zusatzprogramm für junge Menschen aus dem Ausland auf, an dem mittlerweile nicht nur viele Geflüchtete teilnehmen, sondern auch andere ausländische Freiwillige, die in Deutschland ein solches Jahr absolvieren möchten. Dabei sorgt EVIM für Sprachkurse und flankierende Betreuung.

Junger Afghane fängt bald im Eibach-Haus an

Davon profitiert zum Beispiel der junge Familienvater Shahab Noori aus Afghanistan. „Ich kam 2015 nach Auringen“, erzählt er. „Meine Patin brachte mich mit EVIM zusammen. Ich bekam eine FSJ-Stelle im Seniorenzentrum Wichernstift. Jetzt nehme ich am Programm „HAUF“ teil, das mir den Hauptschulabschluss einbringt und gleichzeitig weitere Möglichkeiten zur praktischen Arbeit gibt. Und im September beginne ich eine Ausbildung im Ludwig-Eibach-Haus.“ Es gibt weitere Sonderprojekte, gerade für die Altenpflege, in der ein drastischer Fachkräftemangel droht. Auch das funktioniert, so Karin Falkenstein: „Aus jedem Jahrgang bleiben einige bei uns hängen und beginnen eine Ausbildung.“ Seit 2014 können junge Leute auch im Ausland ihr FSJ absolvieren: In Nicaragua – derzeit ausgesetzt wegen Unruhen im Land -, einige Zeit lang in Rumänien und ab diesem Sommer auch im afrikanischen Benin.

Zusatzprogramme nach Maß

Das neueste Zusatzprogramm ist ein besonderes flankierendes Coaching, das in Einzel- und Gruppenberatung Jugendlichen, die noch etwas mehr auf der Suche nach dem richtigen Berufs- und Lebensweg sind, spezielle Hilfestellungen gibt. „Gerade auch unsere absichtlich sehr heterogen zusammengesetzten Gruppen sind ein gutes Lernfeld, um unterschiedlichste Menschen kennenzulernen, Vorurteile zu überwinden und Erfahrungen zu sammeln“, sagt Andrea Stinner, die die EVIM-Freiwilligendienste leitet. Das bestätigt George Yazarlioglu mit einem Beispiel aus seiner eigenen Zeit als FSJ‘ler: „Ich habe in meinem ersten Seminar in der Jugendherberge zum ersten Mal jemanden kennen gelernt, der sich an das Fastengebot im Ramadan hielt. Bis dahin hatte ich das noch nie erlebt. Und wir mussten in der Jugendherberge ja dann auch nachts etwas zu essen für ihn organisieren. Das war eine ganz neue Erfahrung.“ Deswegen hat das FSJ bei EVIM auch noch einen anderen Namen bekommen: „Soziales Bildungsjahr“.  (abp)