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ZEITLOS inszeniert zu aktuellen Zeitfragen – Performance am 22. und 23. September

Die Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen steht im Fokus der neuen Performance der Theatergruppe ZEITLOS. Flüchtlinge, Gewalt und Krieg, das Ich in der Dynamik der gesellschaftlichen Prozesse, die Welt als Ganzes, die Würde des Menschen sind eine Auswahl der selbstgewählten Themen, die die Akteure in szenischen Choreografien umsetzen.

Neben den erfahrenen ZEITLOS Akteuren aus dem Wohnpflegehaus stehen in diesem Projekt theaterbegeisterte Klienten aus dem Jungen Wohnen für Menschen mit psychischen Erkrankungen, geistig beeinträchtigte Menschen und Ehrenamtliche gemeinsam auf der Bühne. Intensiv hat sich die Gruppe seit Anfang des Jahres mit Fragen der Zeit beschäftigt: Was bedeutet es, flüchten zu müssen, heimatlos zu sein. Was bedeutet Heimat und was ist Heimweh? Andere setzen sich mit den Themen Gewalt in der Sprache und Krieg auseinander. Die Überlegung: Was wäre wenn … entwickelte sich so zum Motto für die neue Tanzperformance, die zum Nachdenken anregen will.

Recherchiert wurde zunächst in Zeitungen, Fotos, Büchern und Gesetzestexten – es entstanden Collagen, um sich inhaltlich und künstlerisch den Themen anzunähern und Möglichkeiten der szenischen Umsetzung zu diskutieren. „Ein anspruchsvoller Prozess, den alle mit viel Kreativität, Leidenschaft und gedanklicher Tiefe führten“, fasst Katharina Weil, eine der Regisseurinnen zusammen. Bewährt hat sich dabei die gemeinsame, jahrelange Theaterarbeit in der EVIM Behindertenhilfe, zuletzt in dem Großprojekt „Die Schöpfung“ unter der Regie von Miguel Zermeno. Die Akteure freuten sich über ein Wiedersehen mit ihm bei einer Probe, zu der er als Berater eingeladen war und wertvolle Hinweise geben konnte. 

Die Sprache als künstlerisches Ausdrucksmittel steht in dieser Produktion stärker im Mittelpunkt als bei den bisherigen rund zehn Aufführungen der ZEITLOS Compagnie seit ihrer Gründung vor 15 Jahren. Beispiel dafür ist die ergreifende Tanz- und Textcollage, die die junge Freiwillige Anika Schostak erarbeitet und mit Matthias Damm umgesetzt hat. Darin visualisieren beide in einer ausdrucksstarken Tanz- und Sprechperformance die Gefühle eines flüchtenden Kindes. Die Szene wird durch die Musiktherapeutin Ursula Senn und ihren jungen Kollegen Lukas Sturm musikalisch mit professioneller Präzision begleitet. „Im Unterschied zu früheren Aufführungen ist die Musik als klare Struktur vorgegeben“, erläutert Senn. So kommen zum Beispiel diesmal polnische, armenische und aramäische Lieder zum Einsatz.  

Dominik Muckenschnabl nimmt die Zuschauer auf eine Gedankenreise mit, indem er sich in einer großartigen schauspielerischen Leistung mit dem Ich in der Welt auseinandersetzt und im Kern bereits Themen berührt, die in dem Gedicht „Die Würde des Menschen“ von Matthias Damm im Mittelpunkt stehen. Wenzel Friebe, der in den früheren Aufführungen immer wieder als Sprecher auftrat, findet in der Interpretation dieser beeindruckenden Lyrik eine neue Herausforderung, die er stimmlich souverän meistert. Katharina Weil und Markus Salbeck, Leiter des Wohnpflegehauses, loben die „tolle Arbeitsatmosphäre“ in der Gruppe. ZEITLOS profitiert dabei von der jahrelangen intensiven Kulturarbeit in der Behindertenhilfe. Davon spricht auch die Akteurin Agnes Tillmann aus dem Betreuten Wohnen: „Nicht nur ich gebe etwas von mir in der Theaterarbeit. Sie gibt mir auch viel zurück – ich bin selbstbewusster geworden!

Noch proben die Akteure im Wohnpflegehaus in der Pfitznerstraße und feilen an der Performance unterstützt von den Profis Desirée Schwarz und Yoshiko Romppel.  „Das thalhaus ermöglicht es uns auch in diesem Jahr, mehrere Tage vor den Aufführungen die Bühne zu nutzen“, dankt Katharina Weil für die große Unterstützung.

Für die Vorstellungen am 22. und 23. September 2016 im thalhaus Wiesbaden gibt es noch Restkarten. Die Tickets kosten 11 Euro, ermäßigt 6 Euro. Veranstaltungsort: Nerotal 18, 65193 Wiesbaden, Beginn: 20 Uhr 

Foto (EVM): Dominik Muckenschnabl (Mitte) probt die Performance "Das Ich ist nur ein Prima, in dem sich das Licht bricht" Links im Bild Ursula Senn und Lukas Sturm. Im Hintergrund links Wenzel Friebe als Sprecher. 

Hintergrund
Die Theatergruppe ZEITLOS besteht seit 15 Jahren und ist vielfach mit Bühnenprojekten in Wiesbaden und der Region erfolgreich aufgetreten. Bedingt durch die unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Akteure kristallisierte sich als gemeinsames Lebensthema das Thema Zeit heraus – Lebenszeit, Wartezeit, Ruhezeit, Zeit zum Aufbruch. Durch die Auseinandersetzung mit der eigenen, zeitlich so anders gestalteten Lebenssituation, entstand der Name ZEITLOS.