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„..und trägt dich ein Leben lang“ – Collagen erzählen über das Leben

Mit einer kleinen, sehr interessanten und anrührenden Ausstellung über Lebensstationen einer im Krieg geborenen Generation reflektiert Adelheid Burkhardt persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Dabei arbeitet die Autodidaktin völlig frei mit unterschiedlichsten Materialien im Einklang mit ihrer Kreativität und ihrer künstlerischen Überzeugung.

Entstanden sind nicht nur Collagen und Installationen gewissermaßen als ein Lebensbogen der im ehemaligen Warthegau in Polen geborenen und seit 20 Jahren in Hochheim beheimateten Frau. Die Ausstellung begleitet eine Reihe von Texten und lyrischen Interpretationen, die ihr neben der bildnerischen Kunst weitere Ausdrucksmöglichkeiten eröffnen.  

Für Romina Gabriel, die Adelheid Burkhardt durch die Freiwilligenarbeit im Seniorenzentrum seit sechs Jahren kennt und sehr schätzt, passt das Konzept dieser Ausstellung in das Haus, das sie leitet. „Wir orientieren uns an den Lebenswelten und Lebenswegen von Menschen, die auf ein langes Leben zurückblicken können“, so die Einrichtungsleiterin, die sich über die Betrachtung der ausgestellten Werke einen regen Gedankenaustausch verspricht. Das Schicksal jedes Menschen ist einzigartig und doch ähneln sich manche Lebenserfahrungen, wie zum Beispiel Flucht und Vertreibung im Krieg, leider bis in die heutige Zeit. Für Adelheid Burkhardt steht ein verbranntes Stück Brot mit einem Nagelkreuz in der Mitte für die Schrecken, denen sie als einjähriges Mädchen mit ihrer Mutter ausgesetzt war. Der Vater blieb im Krieg, kennengelernt hat sie ihn nie. Die Trauer über diesen einschneidenden Verlust und die Unwiederbringlichkeit eines Teils von ihr, berührt zutiefst. Dass das Exponat zerbröselt und mithin ‚endlich‘ ist, ist für sie in Ordnung. Darunter steht ein Beistelltischchen, mit Kinderbildnissen aus der damaligen Zeit und Poemen, die von Verzagtheit, aber auch Hoffnung und Barmherzigkeit erzählen („Dein Engel ist da“). Ihre nach Kriegsende guten Jahre der Kindheit mit ihren Geschwistern in Angermünde und einer ‚wunderbaren Lehrerin‘ folgte erneut eine Zäsur mit der Flucht in den Westen, die 1955 mit der Ankunft in Wiesbaden zum Abschluss kam. 

Die Collagen erzählen den gesamten Lebensbogen: zum Beispiel über ‚Junge Liebe‘, heranwachsendes Leben, aber auch über Trennung und Verlust der besten Freundin und die Endlichkeit des Lebens. Das In-Sich-Ruhen angesichts eines erfüllten Lebens im Alter bewegt und ermutigt zugleich. Adelheid Burkhardt  verarbeitet oft Kunstdrucke von Kalenderblättern, die sie zu poetischen, tiefgründigen Bildern zusammensetzt und zu neuen Bildaussagen führt. Engel spielen eine Rolle, aber auch dunkelgefiederte Vögel. Mit großer Sensibilität für Formen und Farben setzt Burkhardt in allen ihren Collagen Akzente. „Die Bilder haben sich aus meinem Inneren entwickelt“, sagt die Autodidaktin, die es lange tief bedauert hat, nicht mit Farben malen zu können. Das Hobby habe sich in den letzten Jahren entwickelt, es sei etwas, was sie begleitet und ausfüllt. Ebenso wie die lyrischen Texte, die die Ausstellungsbesucher mitnehmen können.

Foto: U. Wirtz-von-Mengden 

Dein Engel ist da

Adelheid Burkhardt

 

Dein Engel ist da

im zärtlichen Klang

Im bangen Warten auf Heilung

harrt er und trägt dich ein Leben lang

auf unbeugsamen Flügeln

Wenn du dich neigst

den eigenen Schwächen

Barmherzigkeit zeigst

trägt er auch deine Gebrechen

Dein Engel ist da –

Er wartet auf dich

Verzage nicht