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"Unser Sohn hat sensationell seinen Weg gefunden"

Jonas Heidrich (rechts im Bild) hat ein großes Ziel: Marathon zu laufen! Dafür trainiert er seit vielen Jahren eisern. Das an sich ist schon überaus beachtlich. Das Besondere: Er ist einer von  ganz wenigen Sportlern mit Handicap in Deutschland, die sich dieser Herausforderung stellen. Sein Trainer, Mentor und Förderer ist Ralf Thies (im Bild links), der selbst Marathon läuft. Er arbeitet als Fachkraft für Berufliche Integration in der EVIM Werkstatt Schlocker-Stiftung. „Beide sind ein Dream-Team“, lobt Ute Heidrich, Jonas‘ Mutter, bei ihrem Besuch in der Evimpuls-Redaktion. Hier spricht sie darüber, wie ihr Sohn durch die Unterstützung von Ralf Thies ‚sensationell‘ seinen Weg gefunden hat. 

„Über das Training ist etwas Wunderbares geschehen“, sagt Ute Heidrich und fügt hinzu: „Jonas ist ein ganz selbstbewusster Mensch geworden.“ Ralf Thies habe es geschafft, in Jonas das zu entdecken, wohin er kommen kann. Konsequent fördert und begleitet er ihn seit vielen Jahren mit einem außergewöhnlichen Einsatz. Woche für Woche im Training, bei vielen "Volksläufen" am Wochenende in der Freizeit. Er habe ihn dadurch befähigt, überhaupt an großen Laufveranstaltungen teilzunehmen und diese Herausforderung auch durchzuhalten. „Vieles, was für uns im Leben und im Alltag selbstverständlich ist, muss sich Jonas mühsam erarbeiten“, berichtet die Mutter, die mit ihrer Familie in Hochheim lebt. Eine schwere Erkrankung im Kleinstkindalter habe bei ihm zu einer Wahrnehmungsstörung geführt, die die kognitiven Fähigkeiten einschränkt. Ute Heidrich erinnert sich: Wie schwer es für ihren Sohn gewesen ist, sich in der Umgebung zurecht zu finden, fremde Menschen auszuhalten und einen ‚Ort‘ zu finden, wohin er passt.“  Dass Jonas Spaß an Bewegung hat, haben die Eltern frühzeitig bemerkt.  „Fahrradfahren, Laufen – das haben mein Mann und ich so gut wir konnten unterstützt.“  Aber erst  durch Ralf Thies konnte sich dieses Potenzial systematisch und kontinuierlich entfalten.  

Schritte in Richtung Normalität 

„Jonas hat gelernt, dass er sich nur über Bewegung entwickeln kann. Er kann Ziele erreichen!“ Und das mache ihn ‚unendlich stolz‘. Ihr Sohn brauche Strukturen und Verbindlichkeit. Diese bietet ihm Ralf Thies nicht nur durch das Training. Durch das Laufen ‚erlernt‘ Jonas Heidrich seine Umgebung, seine Umwelt und den Umgang mit unbekannten Situationen. Wie zum Beispiel in Mainz: Seite an Seite mit Thies und tausenden anderen Teilnehmern lief er den Halbmarathon und in diesem Jahr erstmals den 2/3 Marathon. Diese Erfahrung befähigte ihn, sich seitdem selbstständig mit dem Bus und zu Fuß in der Großstadt zu orientieren. „Über das Kartenlesen geht es nicht.“ Ein Schritt in Richtung Normalität sei auch die Erfahrung, als Sportler unter Gleichgesinnten anerkannt zu sein und etwas zu können, was andere Menschen ohne Beeinträchtigung nicht können. „Darüber erlebt er Akzeptanz und Wertschätzung“, etwas, was nicht hoch genug gewürdigt werden kann, so Ute Heidrich. Positive Auswirkungen spürt sie auch im Familienleben. „Wir wären längst nicht so entlastet und Jonas könnte durch das Engagement von Ralf Thies nie an so vielen Wettkämpfen teilnehmen“, freut sich die Mutter und meint lachend: „Herr Thies ist wie eine Kontaktbörse.“ 

Über sich selbst hinauswachsen 

Und noch eine Eigenschaft habe Jonas über den Sport entwickelt: „Er ist mutig geworden!“ Mit seiner Freundin, einer Rolli-fahrerin, lebt der 24-Jährige inzwischen in einer eigenen kleinen Wohnung. Gemeinsam reisen sie und sind dabei ganz gelassen unterwegs. Seine Arbeit in der Poststelle des Kreishauses in Hofheim erledigt er zuverlässig; auch dies ein Erfolg der Vermittlung und Kontakte über den beruflichen Einsatz von Thies. Einziger Wermutstropfen: Der Außenarbeitsplatz mündete bisher noch nicht in einer Festeinstellung von Seiten des Kreishauses. „Wir wollen das gemeinsam schaffen“, ist sich Ute Heidrich sicher. „Jonas hat bewiesen, dass er die Anforderungen erfüllen kann.“ 

Wichtig ist es für Ute Heidrich auch, anderen Eltern Mut zu machen. „Für viele ist der Weg in die Werkstatt für behinderte Menschen ein schwerer Schritt.“ Die Entwicklung ihres Sohnes aber zeige, welche Möglichkeiten und Potenziale sich über die Angebote freisetzen können. Das „Dream-Team“  sei nicht eine Ausnahme. Auch in den Laufgruppen oder bei Fußballfreizeiten könne jeder sein „Dream-Team“ finden und davon profitieren. 

Die Vorbereitungen für den Marathon im Oktober in Frankfurt am Main laufen auf Hochtouren. Viermal pro Woche trainiert er dafür, davon einmal in Begleitung von Ralf Thies. Dass Jonas Heidrich viel schaffen kann, hat er immer wieder bewiesen. 42,195 Kilometer - das ist sein Ziel!