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Wiesbadener Stolpersteine auf einen Blick

Projektgruppe des Campus-Klarenthal programmiert Stolperstein-App

Hell leuchtet der kleine Messing-Quader im Bürgersteig an der Bahnhofstraße. Der sogenannte Stolperstein erinnert an den jüdischen Unternehmer Oskar Braun, der hier einst mit seiner Frau Hendrina gelebt hat. Nach seiner Deportation nach Dachau ist er im Jahr 1938 unter nicht vollständig geklärten Umständen ums Leben gekommen. „Das war einfach mal schön, bei der Verlegung dabei zu sein. Es ist interessant, weil es mitten im Geschehen ist und manche Passanten stehen bleiben und zuhören“, findet die 15-jährige Zoe. Gemeinsam mit je zwei weiteren Schülerinnen und Schülern der Hibiskusklasse am Campus Klarenthal hat sie sich im Rahmen eines Unterrichtsprojekts zum Thema Nationalsozialismus intensiv mit den Stolpersteinen auseinander gesetzt. Mittlerweile befinden sich bereits 651 allein in Wiesbaden.

Als Programmierer dabei

„Alle, die heute verlegt worden sind, sind auch schon in unserer App zu finden“, berichtet der 16-jährige Ben. Gemeinsam mit dem gleichaltrigen Vincent hat er die Applikation programmiert, die sämtliche Stolpersteine auf einer Karte zeigt und es ermöglicht, gezielt nach einer Person zu recherchieren. Der überwiegende Zeitaufwand dafür ist außerhalb des Unterrichts angefallen. „Als wir unser Projekt präsentiert haben, war die App noch gar nicht fertig“, verdeutlicht die 15-jährige Tayla, auf deren Idee die Programmierung zurück geht. Es sei einfach viel praktischer und gehe viel schneller, wenn man mit Hilfe der Applikation auf die zu den Stolpersteinen gehörenden Erinnerungsblätter zugreifen könne, die von Mitarbeitenden des Aktiven Museums Spiegelgasse erstellt werden. Erst darin erfährt man mehr über das Leben der Menschen, denen die Stolpersteine gewidmet sind. Die Gruppe ist sich einig, dass es ein schöner Projektabschluss ist, bei der Verlegung dabei zu sein.

Projekt für Leonardo-Wettbewerb

Doch für die fünfköpfige Gruppe ist die Arbeit noch nicht beendet. „Die größte Schwierigkeit ist die Finanzierung“, verdeutlicht die 15-jährige Najiba. Seit Monaten sind die Schülerinnen und Schüler auf der Suche nach Sponsoren. Um ihre Arbeit davor zu bewahren, gelöscht zu werden, haben sie bereits die Erlöse eines Schulfestes investiert und legen Geld aus eigener Tasche vor. Von den 800 Euro, die benötigt werden, um die Applikation für die nächsten zwei Jahre zugänglich zu machen, sind bislang 190 Euro durch Spenden eingegangen. „Wir haben uns jetzt beim Leonardo-Wettbewerb angemeldet“, erläutert Programmierer Ben, der die Applikation bis auf weiteres bei jeder neuen Verlegung von Stolpersteinen aktualisieren wird. Durch die Teilnahme an dem Schulwettbewerb der Wiesbaden-Stiftung erhofft sich die Gruppe zumindest Werbung für ihr Projekt, im Idealfall sogar ein Preisgeld, das zur Finanzierung der Applikation verwendet werden soll. Auch bei Wiesbadener Unternehmen soll weiter nach Sponsoren gesucht werden. Auf jeden Fall hat die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema seit Anfang des Jahres die Wahrnehmung der Gruppe dafür geschärft. „Auch wenn es einfach nur ein Stein ist, möchte ich nicht drauf treten. Er ist ja dazu da, jemandem eine gewisse Würde zu schenken“, findet die 15-jährige Zoe. Das gelte selbstverständlich für jeden Stolperstein, nicht nur in der Landeshauptstadt. Ganz besonders aber für das Exemplar, das in der Wiesbadener Bahnhofstraße verlegt worden ist.

Hendrik Jung

Foto (EVIM/P. Müller): Die Schüler Zoe, Ben, Najiba, Tayla und Vincent (v.l.) haben viel Arbeit und Engagement in die Stolperstein-App gesteckt.

Stolperstein-App

Die Applikation mit dem Titel Stolpersteine in Wiesbaden kann kostenfrei sowohl bei iTunes als auch bei Google Play herunter geladen werden. Im Hauptmenü gibt es unter anderem eine Rubrik für potenzielle Spenderinnen und Spender. Interessierte können das Projekt aber auch direkt auf der Internet-Seite www.betterplace.org unterstützen. Hier trägt es den Titel Stolperstein App Wiesbaden.