Wir sind da, wo Menschen uns brauchen

Aktuelle Meldungen

Im Spiel-Punkt gibt es viele Gewinner - Langfristige Beschäftigung ist das Ziel

„Ich habe vor, hier alt zu werden“, ist sich Hans Knaack sicher. Denn die Arbeit im Spiel-Punkt gefällt ihm sehr. Seit Anfang Oktober unterstützt der 52-Jährige für 20 Stunden pro Woche das Team um Inhaber Detlef Charly Braun. „Ich habe hier bereits viele Spiele nach bestimmten Kategorien und Eigenschaften katalogisiert und zum Beispiel mit einem Kollegen zusammen einen Kindergeburtstag begleitet.“ Auch Daniel Strauch ist ganz begeistert von seinem Aufgabenbereich: „Es macht total Spaß, Spiele kennenzulernen, um Kunden etwas empfehlen zu können, denn bei manchen geht es ja eher um Konzentrationstraining, bei anderen um logisches Denken. Ich habe auch schon Spiele mit nach Hause genommen und mit Freunden ausprobiert, um Feedback geben zu können.“

Fit für den ersten Arbeitsmarkt

Doch es ist nicht selbstverständlich, dass die zwei Wiesbadener eine Tätigkeit gefunden haben, die sie ausfüllt und fordert, aber nicht überfordert. Denn beide arbeiten eigentlich bei der EVIM Reha-Werkstatt, die zur EVIM Gemeinnützige Behindertenhilfe gehört, und absolvieren im Spiel-Punkt ein dreimonatiges Praktikum. Damit gehören sie zu den über 400 Menschen mit psychischen Erkrankungen, die in der Reha-Werkstatt – in Kooperation mit rund 60 Betrieben – eine qualifizierte Beschäftigung erhalten und mit regelmäßigen Weiterbildungen und Praktika für den ersten Arbeitsmarkt fit gemacht werden sollen. Denn berufliche Bildung ist ein wesentlicher Bestandteil der Werkstattmaßnahmen, und die Mitarbeiter erhalten die Möglichkeit, passgenau ihre Kompetenzen zu entwickeln und zu stärken, um ihr Bildungsziel zu erreichen.

„Nach der vierwöchigen Probephase haben wir uns mit Thomas Vogel, dem verantwortlichen Job-Coach bei der EVIM-Jobfabrik, darauf geeinigt, dass beide Kollegen bis Ende des Jahres bei uns bleiben“, erklärt Braun. „Sie sind uns eine große Hilfe im Laden und übernehmen für die abwechslungsreichen Tätigkeiten auch die Verantwortung. Neben der der Kundenberatung gestalten sie beispielsweise den Verkaufsraum, sortieren das Lager und arbeiten mit bei der Inventur – immerhin gibt es bei uns rund 1200 Artikel. Dank ihrer Unterstützung können wir jetzt unseren Kunden in der Vorweihnachtszeit regelmäßige Öffnungszeiten anbieten.“ Und umgekehrt kann sich Braun mit flexiblen Arbeitszeiten auf die besonderen Bedürfnisse von Knaack und Strauch einstellen. Auch bei den Familienspielen, die der Spiel-Punkt mit der mobilen Beratung Kriftel an ausgewählten Sonntagen von November bis März im Freizeithaus an der Weingartenschule anbietet, werden die beiden mitwirken.

Miteinander für zufriedene Kunden

„Eine gezielte Vorbereitung auf den Einsatz beim Spiel-Punkt gab es allerdings nicht“, erläutert Vogel. „Wir folgen dem Grundsatz ‚Place-and-train‘, also suchen zuerst die passende Stelle und qualifizieren dann auf die speziellen Bedürfnisse hin.“ In diesem Fall war das allerdings kaum nötig, denn beide Praktikanten brachten sowohl Neigung als auch passende Kenntnisse mit. So arbeitet Strauch in der Werkstatt mit der Buchhaltungssoftware Lexware, die zufälligerweise Braun benutzt, und so kann er ihn in diesem Bereich ebenfalls unterstützen. Zusätzlich macht er eine Schulung als Sicherheitsbeauftragter und gibt gerne Tipps, wo beispielsweise ein Feuerlöscher hängen muss.

Um den Wert dieser Praktika als Wiedereinstieg in den Beruf weiß auch Bernhard Schmauch, stellvertretender Werkstattleiter bei EVIM: „Manche unserer ‚seelisch behinderten‘ Klienten schaffen ja maximal vier Stunden Arbeit pro Tag, und bei vielen ist allein das Wort ‚Arbeitsleben‘ schon negativ besetzt, weil genau das sie krank gemacht hat. Aber wir müssen ihnen einen Weg zeigen, der auch wieder raus aus der Werkstatt führt; sie sollen eine Perspektive entwickeln!“ Denn im Idealfall finden diese Menschen wieder in ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis, wobei nicht wenige gezielt etwas anderes suchen als das, was sie bisher gemacht haben. Dann werden gemeinsam mit den Bildungsbegleitern Alternativen gesucht, die sowohl für den Arbeitgeber als auch für die Mitarbeiter gut passen. Mit Detlef Charly Braun wurde ein solcher Arbeitgeber gefunden, und im Spiel-Punkt, den Schmauch als „idealistisches Projekt“ bezeichnet, geht es eher gemütlich und familiär zu: „Hier spielt das Miteinander die größte Rolle.“ Zusätzlich sorgen Verkauf und Beratung für Kundenkontakt und Erfolgserlebnisse.

Für Braun ist es eine Win-Win-Situation: „Wir sind alle sehr zufrieden!“ Er hat schon zahlreiche Ideen, wie dieses Modell weitergeführt werden kann. Vogel hofft ebenso, dass sich eine langfristige Zusammenarbeit entwickelt: „Alle Beteiligten wollen das auf jeden Fall fortsetzen.“

Stephanie Kreuzer

Foto EVIM/S. Kreuzer: v.l.n.r. Marcus Löw (Spiel-Punkt), Bernhard Schmauch (EVIM), Hans Knaack („Praktikant“), Daniel Strauch („Praktikant“), Detlef Charly Braun (Spiel-Punkt), Thomas Vogel (EVIM) und Jago Lehmann (Spiel-Punkt) – haben jeweils ihr Lieblingsspielzeug ausgewählt!

Hintergrund

EVIM-Jobfabrik

Wieder neue Kollegen kennen lernen und Berufserfahrungen außerhalb der Reha-Werkstatt sammeln – das können und wollen Menschen mit seelischen Behinderungen. Ziel der Jobfabrik als Teil der EVIM Reha-Werkstatt Wiesbaden ist es, dass alle Klienten trotz ihrer Behinderung den Anforderungen im Berufsleben standhalten und Sinn und Erfüllung in ihrem Leben finden können. Um diesem Auftrag gerecht zu werden, vermittelt die Jobfabrik Praktika und weitergehende Beschäftigungen außerhalb der Reha-Werkstatt und begleitet die Klienten bei ihrem dortigen Einsatz.
www.reha-werkstatt-wiesbaden.de