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Herzenssachen – Die Schatzkiste hilft Menschen mit Beeinträchtigungen, Freunde oder Partner zu finden

„Der passt zu mir!“ Martina Knab war sich ganz sicher, als sie ihn zum ersten Mal auf dem Foto sah. Charmant lächelt sie ihren Partner, Matthias Notnagel, an. Er sitzt neben ihr und ist ganz stolz auf seine Martina, lächelt zurück und gibt ihr einen Kuss. Beide sind seit März ein Paar und wollen es bleiben. Kennengelernt haben sie sich über die ‚Schatzkiste‘, die Menschen mit Beeinträchtigungen auf Kontaktsuche berät, begleitet und manchmal auch vermitteln kann.

„Der passt zu mir!“ Martina Knab war sich ganz sicher, als sie ihn zum ersten Mal auf dem Foto sah. Charmant lächelt sie ihren Partner, Matthias Notnagel, an. Er sitzt neben ihr und ist ganz stolz auf seine Martina, lächelt zurück und gibt ihr einen Kuss. Beide sind seit März ein Paar und wollen es bleiben. Kennengelernt haben sie sich über die ‚Schatzkiste‘, die Menschen mit Beeinträchtigungen auf Kontaktsuche berät, begleitet und manchmal auch vermitteln kann.

Jacqueline Andrée, die für die Schatzkiste in Wiesbaden zuständig ist, kennt alle Klienten in ihrer Kartei persönlich. Sie kennt diejenigen, die einen Partner finden möchten und auch jene, die eher an Freundschaften interessiert sind. Denn die Schatzkiste ist bei weitem nicht nur eine ‚Partnervermittlung‘.  „Wir erleben sogar oft, dass ‚ziemlich beste Freundschaften‘ entstehen.“ Man verabredet sich in der Freizeit oder besucht die Tanzworkshops, die Koch- und Filmabende und die inzwischen legendären Partys der Schatzkiste im Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden.  Zudem wird Beratung immer wichtiger, ein Angebot das auch Angehörige, Institutionen oder andere Träger der Behindertenhilfe in Anspruch nehmen. 

Bei Martina Knab und Matthias Notnagel ist Jacqueline Andrée überzeugt: „Die beiden passen auf Grund ihrer Profile ganz wunderbar zusammen.“ Nicht nur gemeinsame Hobbies entscheiden darüber.  Fragen, wie zum Beispiel, ob beide auf Grund ihrer Beeinträchtigung in der Lage sind, selbstständig den anderen am Wohnort zu besuchen, spielen genauso eine Rolle wie andere alltagspraktische Dinge. Knab und Notnagel erhielten von Andrée einen Brief mit dem Foto des jeweils anderen.  Und beide sagten auf den ersten Blick: ‚Ja, den möchte ich kennenlernen.“ 

Martina Knab ist sehr froh, dass es die Schatzkiste gibt. Eine andere Partnervermittlung, wie zum Beispiel parship, käme für sie nicht in Frage. „Ich will mich nicht allein in fremde Hände geben“, sagt die 38-Jährige ruhig und bestimmt. Andrée bestätigt, dass die Unwissenheit bei vielen Menschen mit Beeinträchtigungen in Bezug auf Liebe und Sexualität hoch ist. Da liegt die Gefahr des Missbrauchs nahe. Ende vergangenen Jahres habe sie mit einem Kollegen einen Workshop angeboten, bei dem es auch um Beziehungsaufbau und –gestaltung und den Umgang mit schwierigen Situationen ging. 

Beim ersten Date ist Jacqueline Andrée mit dabei und begleitet behutsam, mit viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl. Auch später, wenn ein Pärchen den Weg zum Glück selbst in die Hand nimmt, steht sie ihnen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite.  Bei Martina Knab und Matthias Notnagel lief das erste Date so gut, dass sich beide im Anschluss gleich für den Filmabend in der Schatzkiste verabredet haben. „Wir sind beide sehr unternehmungslustig, wollen viel erleben“, so Knab, die als Küchenhilfe auf einem Außenarbeitsplatz der Werkstatt tätig ist und ihre Arbeit sehr mag.

Ihr Freund strahlt, als er von ihren gemeinsamen Erlebnissen auf dem Hessentag, der Kerb oder von der bevorstehenden Fahrt nach Bad Kreuznach berichtet. Seit Anfang des Jahres ist der 46-jährige Matthias Notnagel bei der Schatzkiste. Er hat ebenfalls eine leichte Lernbehinderung und lebt mit einem Freund in einer WG in Idstein.  „Für den Thomas war das nicht ganz leicht, dass ich jetzt oft mit Martina unterwegs bin“, blickt Notnagel zurück. Aber jetzt habe er sich daran gewöhnt, und manchmal sind sie auch zu dritt bei ihren Unternehmungen.  Ganz besonders schön sei die Schifffahrt zur Rettbergsau gewesen, erinnert sich Martina und schaut ihren Matthias lieb an, streichelt seine Hand. 

Ob sie beide für immer zusammenbleiben möchten? Die Frage der Journalistin beim Pressetermin beantworten beide wohlüberlegt: ‚Man braucht Geduld“, so Martina. Und Matthias fügt hinzu: „Wir müssen uns erst richtig kennenlernen, bevor wir zusammenziehen können.“  Die Eltern von Martina würden sich sehr freuen, dass ihre Tochter jetzt einen Partner gefunden habe. Aber ein bisschen Zukunftspläne haben die beiden schon, denn sie möchten so gerne den Europapark Rust besuchen, Übernachtung inklusive. Beide wünschen sich mehr Zeit, um noch viel mehr zu reisen, sich zu küssen und zu lieben. Aber jetzt freuen sie sich auf die Party der Schatzkiste am 26. Juli. Dann wird im Kulturzentrum Schlachthof in Wiesbaden getanzt und gefeiert. „Inzwischen kommen zu unseren Partys etwa 200 Menschen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet“, berichtet Andrée stolz. Unterstützt wird die engagierte Mitarbeiterin der Schatzkiste, die mit einer halben Stelle von der EVIM Behindertenhilfe angestellt ist und ihr Büro in den Räumen der Familienbildungsstätte in Wiesbaden hat, von den ‚Kontaktengeln‘. Die Studentinnen der Uni Mainz haben für alle Fragen der Gäste ein offenes Ohr. Natürlich ganz besonders für Herzenssachen, denn dafür ist die Schatzkiste da.