JULIA COLLET Dodo am Wasser, Buntstiftzeichnung

Kunst ist nicht abgesagt

Malen geht weiter – auch in Zeiten von Corona. Die Künstlerinnen und Künstler des Offenen Ateliers der EVIM-Tagesstruktur zeigen in einer virtuellen Galerie auf der EVIM Website ihre Werke, darunter neue Bilder, die in Zeiten der Sozialen Distanzierung zu Hause entstanden sind.

Für Julia Collet und Oliver Schwarz ist Malen eine Berufung. Die Pandemie stellt sie wie die anderen vier Künstlerinnen und Künstler sowie die Leiterin des Angebotes Julia Isterling vor große Herausforderungen. Die festen Malangebote in den Räumen des Offenen Ateliers in den EVIM Einrichtungen wie in der Pfitznerstraße und in der Kapellenstraße in Wiesbaden – all das ist derzeit nicht möglich. Die geplante Ausstellungsbeteiligung in der Galerie Outsider Art in Wiesbaden aus Anlass des fünfjährigen Jubiläums der Kunstplattform – auf einen späteren Termin verschoben. Der Corona-Virus hält auch die Künstler*innen auf Abstand und wirbelt den Terminkalender komplett durcheinander. Doch ‚geht nicht‘ gibt es nicht für Julia Isterling. Die überaus engagierte Leiterin begleitet und ermutigt die Maler*innen, so gut es unter den gebotenen Umständen möglich ist. Sie hält Kontakt über Skype, installierte eine WhatsApp-Gruppe als Angebot, sich über das Schaffen und die persönliche Situation auszutauschen. Sie bietet sogar an, Material nach Hause zu liefern, wenn die Klienten dies wünschen – Ton, Papier und Farben. Und sie weiß, wie schwierig es gerade für Menschen mit psychischen Erkrankungen ist, sich zurecht zu finden, wenn alle Gewissheiten nicht mehr sicher sind. Umso mehr würdigt sie die Kreativität, die unter diesen Umständen entsteht. Wie von Julia Collet, die mit großartiger künstlerischer Hand den eigenwilligen „Dodo“ in immer neuen Versionen kreiert. Ein Vogel-Fabel-Tier aus dem Reich der Fantasie. Oder ihre Momentaufnahme „Weidenborn“ – eine wunderbare Komposition in Aquarelltechnik mit Farbfilzstift. Ihr Künstlerkollege Oliver Schwarz widmet sich in einem Werk dem Sujet der Manga-Figuren. In „The Great Escape“ erscheinen sie in einem Geflecht von Stacheldraht und regen den Betrachter zum Nachdenken an. Beide Künstler seien zudem eine wertvolle Quelle der Inspiration für die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Malangeboten, so Isterling. Selbstbewusst regen sie Gespräche in der Gruppe an und ermutigen die anderen, Neues auszuprobieren.  Besonders beglückt ist die Leiterin, dass ein Klient unter den schwierigen aktuellen Bedingungen den Schritt gewagt hat, einer Veröffentlichung seiner Werke zuzustimmen. „Das ist ganz toll“, sagt sie und die Freude darüber ist ihr am Telefon sichtlich anzumerken. Genau das zeichnet Julia Isterling aus, wie Ursula Bender, Leiterin der EVIM Gemeindepsychiatrie Wiesbaden bestätigt: Man spüre die große Freude an ihrer Arbeit und daran, dass sie an der künstlerischen und persönlichen Entwicklung der Menschen teilhaben darf. Sie arbeite mit den Klienten wertschätzend, mit Empathie und auf Augenhöre. Es sei ihr ein Herzensthema, die Outsider-Art-Künstler*innen in der Gesellschaft sichtbar zu machen. Julia Isterling ist davon überzeugt, „dass sie mit ihrer Kunst einen großen Beitrag für die Gesellschaft leisten.“ Um dies weiter zu fördern und voran zu bringen, hat sie die Idee eines offenen und inklusiven Künstlerhauses. „Inklusion ist dann erreicht, wenn sich Künstler*innen aller Genre auf Augenhöhe treffen und an ihren Werken arbeiten – unabhängig davon, welchen Assistenzbedarf sie als Mensch haben“, sagt Julia Isterling, die auch Erste Vorsitzende des Vereins Kunstwerker e.V. ist. Dafür braucht es einen Raum, in dem genau dies möglich ist.

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