Die Gedanken sind frei – und mögen es ein Leben lang bleiben! Kita und Schule für Kinder beruflich Reisender feiern Sommerfest zum Schuljahresbeginn

Wenn zum Schuljahresbeginn die bunten Lern- und Kita-Mobile auf dem Geisberg stehen, Familien von ihren Festplätzen nach Wiesbaden kommen und unter der großen Zeder lange Tafeln gedeckt sind, ist wieder Sommerfest. Für die EVIM Kita und Schule für Kinder beruflich Reisender ist dieser Tag längst Tradition und jedes Jahr ein besonderes Wiedersehen.

Diesmal gab es viel zu feiern: Sechs Kinder wurden zum Schulanfang gemeinsam mit ihren Familien begrüßt. Jugendliche, die erfolgreich ihren Haupt- oder Realschulabschluss geschafft haben, wurden verabschiedet, neue Schülerinnen und Schüler herzlich aufgenommen.

Schon von Weitem leuchteten die Lern- und Kita-Mobile in der Sonne. Besonders ins Auge fielen die neu gestalteten Kitamobile. Ihre farbenfrohe Bemalung entstand beim diesjährigen Wäldchestag in einem Charity-Projekt des Spielwarenherstellers Mattel gemeinsam mit Kindern beruflich Reisender und EVIM Fachkräften.

Unter den Zelten rund um die große Zeder kamen schließlich alle zusammen: Familien, die zum Teil weite Wege von ihren aktuellen Standorten auf sich genommen hatten, langjährige Wegbegleiter, Gäste aus dem Hessischen Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen sowie vom Lions Club Wiesbaden-Kurpark, der die Bildungsangebote seit vielen Jahren unterstützt. Auch die Geschäftsführung der EVIM Bildung und EVIM Vorstandsvorsitzender Matthias Loyal feierten mit.

Theresa Saup, Teamleitung der Kita für Kinder beruflich Reisender, und Benita Masuch aus dem erweiterten Schulleitungsteam führten durch das Programm. Für Live-Musik sorgten beide Bildungsangebote gemeinsam mit Stefan Metz (Saxophon, Gitarre und Gesang) sowie Julia Zart (Gitarre und Gesang).

Kleine Seifenblasen, große Gedanken

In seiner Andacht sprach Pfarrer Matthias Loyal über etwas, das jedes Kind und jeden Erwachsenen betrifft: die Freiheit, man selbst sein zu dürfen. Niemand könne die Gedanken eines anderen Menschen lesen – und das sei gut so. Die Gedanken seien die Insel, der letzte geschützte Raum, in dem jeder Mensch ganz bei sich sein dürfe.

Passend dazu schwebten Seifenblasen über die Tische: federleicht, glitzernd und frei. Kleine Glücksmomente, die Pfarrer Loyal mit einem Wunsch an die Kinder verband: Bewahrt euch euer „Ich bin ich“. Jeder Mensch habe ein Recht auf sein eigenes Leben und seine eigenen Gedanken. Kinder müssten darin bestärkt und geschützt werden. Und an die Erwachsenen gerichtet zitierte er die großen Worte von Hannah Arendt: „Niemand hat das Recht zu gehorchen.“

Wie viel diese Freiheit auch mit verlässlicher Bildung zu tun hat, zeigte sich an diesem Nachmittag ganz konkret.

Wenn aus eigener Erfahrung Vertrauen wird

Susanne Kaiser-Fischer war mit ihrer Familie 140 Kilometer vom Festplatz in Lauterbach angereist. Sie kennt die Schule für Kinder beruflich Reisender aus zwei Perspektiven: Früher war sie selbst Schülerin, heute besuchen ihre Kinder die EVIM Bildungsangebote. Sohn Kennedy ist neun Jahre alt und Schüler der Schule, der zweijährige Bentley wird künftig die Kita für Kinder beruflich Reisender besuchen.

An ihre eigene Grundschulzeit vor Einführung des mobilen Schulangebots erinnert sich Susanne Kaiser-Fischer noch gut: häufige Schulwechsel, immer neue Lehrkräfte und Mitschüler – und immer wieder Fragen zu einem Leben, das anders organisiert war als das der meisten anderen Kinder. „Als es endlich die Schule für Kinder beruflich Reisender gab, war das für mich eine echte Erlösung“, erzählt sie. Ihre Noten wurden besser, vieles wurde leichter.

Heute erlebt sie bei ihren eigenen Kindern, was Kontinuität bewirken kann: „Die Kinder kommen besser zurecht, haben die gleichen Lehrer, bleiben im gleichen Umfeld.“ Während die Familie ihrer Arbeit nachgeht und von Festplatz zu Festplatz reist, reist die Bildung gewissermaßen mit.

Und manchmal zeigt sich Verlässlichkeit sogar in einer ganz persönlichen Konstante: „Herr Ohl war mein Lehrer, er ist der Lehrer meines Großen und wird vielleicht auch einmal Lehrer von meinem Jüngsten sein“, sagt Susanne Kaiser-Fischer schmunzelnd.

Die besondere Atmosphäre konnte man spüren: Für einen Nachmittag stehen die Mobile still und Menschen, die sonst über viele Orte verteilt leben und arbeiten, kommen zusammen. Manche kennen sich seit Jahrzehnten, andere sind gerade erst dazugekommen. Und wenn am Ende wieder Abschied genommen wird, bleibt etwas bestehen: eine Gemeinschaft, die mitreist. (hk)