Anja Schumacher (Kinderbrücke Elsässer Platz), Sabine Christ (Tagesmutter) und Elisa Gemmo (Gruppenleitung EVIM) (v.l.n.r.) zaubern Riesenseifenblasen zur Freude der Kinder

130 Gäste feiern erstes gemeinsames Sommerfest der Kinderbrücke

Das erste gemeinsame Sommerfest der Kinderbrückengruppen in Wiesbaden fand am 14. Juni auf dem Gelände des Campus Kinderhaus statt, das seine idyllische Außenanlage für diesen besonderen Anlass zur Verfügung stellte. Das Wetter hätte nicht schöner sein können. Rund 130 kleine und große Gäste genossen sichtbar das entspannte Miteinander.

Ein Modell, das verbindet 

„Die Idee für ein gemeinsames Sommerfest ist aus den Kinderbrückengruppen selbst entstanden“, sagte die Wiesbadener Sozialdezernentin Dr. Patricia Becher, die das Fest besuchte. Insgesamt gibt es zwölf Gruppen im Modell Kinderbrücke, erklärte Anita Gerstmeier, Sachgebietsleiterin Kindertagespflege der Stadt Wiesbaden. In zehn Gruppen erfolgt die Vertretungsregelung über Kooperationspartner wie EVIM (drei Gruppen), den Kinderschutzbund (drei Gruppen) sowie die Stadt Wiesbaden (vier Gruppen). In weiteren zwei Gruppen wird die Vertretung in Zusammenarbeit mit städtischen Kitas organisiert.

Das Kooperationsmodell besitzt Strahlkraft weit über die Landeshauptstadt hinaus, es ist bundesweit einmalig. Die Kindertagespflegepersonen vertreten sich bei Bedarf gegenseitig. Das schafft eine hohe Sicherheit und Verlässlichkeit für Familien und ermöglicht gleichzeitig eine bindungsorientierte Betreuung der Kinder.

Elisa Gemmo leitet bei EVIM Bildung das Angebot. Darüber hinaus richtet sie unter anderem die Spielkreise aus, steht den Kindertagespflegepersonen beratend zur Seite und organisiert das Vertretungssystem. Gemeinsam mit ihrem Organisationsteam plante sie das Fest und sorgte mit dafür, dass sich die Besucherinnen und Besucher rundum wohlfühlen konnten.

Kreativität unter freiem Himmel 

An fünf Stationen konnten die Jüngsten ihrer Kreativität freien Lauf lassen: An der Farbtrommel entstanden mit schwungvollen Bewegungen bunte Kunstwerke und beim Kinderschminken verwandelten sich die Kinder in Feen, Tiere oder Fantasiefiguren. Besonders beliebt waren auch die Riesenseifenblasen, in deren schillernde Farben mit etwas Geschick Kinder und Erwachsene gleichermaßen eintauchen konnten.

Die Kindertagespflegepersonen trugen tatkräftig zum Gelingen des Sommerfestes bei. Sabine Krämer betreute eine Kreativstation mit Naturmaterialien, Klebeband und Papptellern. Daraus entstanden kleine Kunstwerke zum Mitnehmen. „Das können schon die Allerjüngsten“, sagt die erfahrene Tagesmutter, die seit 25 Jahren in der Kindertagespflege tätig ist. Im vergangenen September wechselte sie in das Modell Kinderbrücke mit EVIM als Partner. Nach einem langen Berufsleben sei dies die beste Entscheidung gewesen, berichtet sie. Sie wollte etwas kürzertreten und konnte in diesem Modell die Zahl der betreuten Kinder auf drei reduzieren. Zwei Plätze stehen immer im Vertretungsfall zur Verfügung. Außerhalb der Kinderbrücke betreuen die Kindertagespflegpersonen bis zu fünf Kinder. Die Vertretungsregelung biete allen Beteiligten zusätzliche Sicherheit. „Durch die wöchentlichen gemeinsamen Spielkreise lernen sich Kinder und Tagespflegepersonen gut kennen. Das ist im Vertretungsfall ein echter Vorteil“, ist sie überzeugt.

Jacqueline Bocian arbeitet bereits seit fünf Jahren als Kindertagespflegeperson in Kooperation mit EVIM. In ihrem Zuhause in Breckenheim betreut sie drei Kinder. „Ich mache diesen Beruf wahnsinnig gerne“, sagt sie mit einem strahlenden Lächeln. Sie habe tolle Familien, keine Belegungsprobleme und wolle auf jeden Fall weitermachen. „Ich habe es keine Sekunde bereut“, lautet ihr Fazit.

Warum Eltern sich dafür entscheiden

Der bundesweite Trend sinkender Geburtenzahlen stellt allerdings viele selbstständige Kindertagespflegepersonen vor Herausforderungen. Das bestätigt auch Thomas Scheffler, Leiter der Abteilung Kindertagesstätten und Kindertagespflege der Stadt Wiesbaden. Hinzu komme, dass Eltern ihre Kinder zunehmend erst in einem höheren Alter in die Betreuung geben. Umso mehr freue er sich darüber, dass das Sommerfest das Miteinander auf so schöne Weise erlebbar mache.

Für das Betreuungsmodell Kinderbrücke entscheiden sich Familien aus unterschiedlichen Gründen. Alison Kirsch ist alleinerziehende Mutter des kleinen Ilay. Da sie aufgrund der räumlichen Entfernung keine familiäre Unterstützung vor Ort hat, wandte sie sich an das Jugendamt. Dort wurde ihr Dringlichkeitsantrag bewilligt. Letztlich entschied sie sich für die Kinderbrücke. „Die Gruppen sind kleiner als in einer Regelkita, und ich bin überzeugt, dass dieses Betreuungsmodell für meinen Sohn das Beste ist“, sagt sie. Ihr Fazit fällt eindeutig aus: Sie sei „mega zufrieden“. Ilay kam mit elf Monaten in die Tagespflege und mag „die Anna“, seine Tagesmutter, sehr. Anfang kommenden Jahres wird er in eine Kita wechseln – ein neuer Entwicklungsschritt, dem seine Mutter nun zuversichtlich entgegenblickt.

Das besondere Ambiente des Campus Kinderhaus und ein reichhaltiges Kuchenbuffet, Kaffee, selbstgemachte Limonade und frisches Obst trugen dazu bei, dass alle Gäste einen unbeschwerten Nachmittag verbringen konnten und sich als Teil einer großen Gemeinschaft erlebten. Auch Austausch und Begegnung kamen nicht zu kurz: Eltern lernten andere Familien kennen, Kindertagespflegepersonen vernetzten sich untereinander, und Fachkräfte der Träger nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch.

Hintergrund

EVIM ist einer der Kooperationspartner im Modell „Kinderbrücke“ der Kindertagespflege in Wiesbaden. Kindertagespflegepersonen der Kinderbrücke übernehmen die Betreuung und Förderung von Tageskindern in ihrem familiären Umfeld und bieten Familien zugleich ein verlässliches Vertretungsmodell an. Gemeinsam mit ihren Tageskindern treffen sie sich regelmäßig in den wöchentlichen Spielkreisen oder besuchen ihre Patengruppe in einer kooperierenden Kinderkrippe. (hk)