Kunst ist für alle da
Was für ein Auftakt – „Touched by art“ könnte und soll sich verstetigen, denn Kunst ist für alle da, sowohl zum Anschauen als auch zum Mitmachen. Mitgemacht haben in den Monaten April und Mai rund 20 Künstlerinnen und Künstler, Profis aus ganz Deutschland und Klient:innen von EVIM und anderen Einrichtungen in Wiesbaden, die sich auch sonst künstlerisch betätigen. In den Tandems, die jeweils vier Wochen zusammenarbeiteten, sind nicht nur berührende und spektakuläre Kunstwerke entstanden, sondern auch Freundschaften. Und Stolz auf das Geleistete und Gelungene. Im Museum Reinhard Ernst fand nun noch vor der offiziellen Versteigerung der Kunstwerke eine Preview-Veranstaltung statt.
Galeristin Christine Rother-Ulrich, Mitglied des Organisationsteams, präsentierte alle Kunstwerke per Powerpoint und machte damit Appetit auf die Versteigerung an gleicher Stelle am Folgetag.
Applaus für die Kunst
Einige der Künstler:innen waren anwesend – wer von weiter her kam, wie viele Berliner, nicht – aber manche ließen es sich auch nicht nehmen, den Applaus für ihre Kunstwerke entgegenzunehmen. Ob das große Bild einer blauen Kawasaki, mit der die Künstlerin als junge Frau einen lebensverändernden Unfall baute und sich jetzt „freimalte“, ob abstrakte Farbenfeuerwerke, kreative Steinskulpturen, spektakuläre Papiercollagen, geheimnisvolle Flügelwesen, mehrteilige „Dialogwerke“, Inspirationen aus so unterschiedlichen Quellen wie dem Motiv einer Sense oder eines Stadtplans: Ein riesiges Spektrum wundervollen künstlerischen Ausdrucks. Auf den jeder Mensch ein Recht hat, wie EVIM-Vorstand Matthias Loyal, Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende als Schirmherr der Aktion, Ministerin Heike Hofmann und auch Museums-Stifter Reinhard Ernst in der von der kommunalen Inklusionsbeauftragten Andrea Hausy moderierten Podiumsrunde betonten. Kunst und Kultur böten Begegnungsmöglichkeiten, ein Museum könnnte ein „Dritter Ort“ sein, an dem sich Menschen treffen und austauschen. Die Aktion, so Mende, sei ein „Format auf Augenhöhe“, nicht von oben herab erklärt oder angeordnet. Und, so Matthias Loyal und auch Reinhard Ernst: Erst, wenn der Begriff „Inklusion“ gar nicht mehr betont werden müsse, sondern selbstverständlich sei: Dann wäre das Versprechen „Kunst für alle“ erst richtig eingelöst.
Menschlich bereichert
Das wurde mit Leben erfüllt durch den Stolz und die Freude der Künstler:innen mit Beeinträchtigung, die von Spaß und Inspiration berichteten, von der Begegnung mit Materialien, die sie so vorher noch nicht kannten, von der gemeinsamen Motivfindung, von vielem, das sie gelernt hätten. Und auch die Profis zeigten sich berührt, so erzählte die 86jährige Eva Ohlow, wie ihr Partner Thomas Martin ihr ein kleines Bild gemalt habe und es ihr mit den Worten „Es soll dich beschützen. Ich hab dich lieb“ überreichte. Menschlich bereichert fühlten sich Künstler:innen wie auch das Organisationsteam, die Zuschauer im Maki-Forum des Museums sowieso. Die Erlöse der Versteigerung sollen in die Verstetigung des Projekts „Touched by art“ einfließen. Da könne man sich auch noch andere Kunstformen vorstellen: Wie zum Beispiel Musik. Da ist der Anfang bereits gemacht, wie das Trio Iryna Soroka, Raquel Gomez und Carlos de Jesus mit einem berührenden, selbst geschriebenen „Touched by Art“- Song bewies. Immer wieder großer Applaus im Saal – entweder geklatscht oder in Gebärdensprache, denn auch die Schirmherrin und hörbeeinträchtigte Influencerin Cindy Klink ergriff auf der Bühne das Wort. Sie erinnerte auch daran, dass die Aktion ein ausgesprochen gutes Beispiel dafür sei, dass Räume, Öffentlichkeit und Möglichkeiten für Künstler:innen mit Beeinträchtigung zur Verfügung gestellt werden müssten, denn ohne entsprechende Rahmenbedingungen werde es für sie schwer. (abp)