Volle Kanne Leben: Seit 25 Jahren knattern die Harleys für EVIM in Hattersheim

Wenn schwere Maschinen auf große Vorfreude treffen: Seit einem Vierteljahrhundert verbindet das Harley-Davidson Wiesbaden Nassau-Chapter und die von EVIM betreuten Menschen im Wohnverbund Hattersheim eine einzigartige Freundschaft. Beim Jubiläum wurde wieder erlebbar, warum dies so ist.

Man hört sie, bevor man sie sieht. Das satte Brummen der Motoren kündigt an diesem Samstagnachmittag in der Dürerstraße ziemlich zuverlässig an: Endlich sind sie wieder da! 16 Harley-Davidson-Maschinen rollen diesmal auf den Hof des neuen EVIM Wohnhauses der EVIM Teilhabe und werden dort längst erwartet.

Die Freude ist riesig. Man kennt sich, begrüßt sich herzlich, fällt sich in die Arme. Denn was vor 25 Jahren als ehrenamtliche Aktion begann, ist längst viel mehr geworden. Freundschaften sind entstanden aus dem jährlichen Wiedersehen, auf das sich viele Bewohnerinnen und Bewohner schon Wochen vorher freuen.

Rund 45 der insgesamt 53 Menschen aus den EVIM Wohnhäusern in der Dürerstraße und Schulstraße sind beim Jubiläums-Event dabei. Die Harley-Freunde kommen, zünftig in Leder, mit gut zwei Dutzend Freaks. Für sie gehört der Besuch in Hattersheim inzwischen ganz selbstverständlich zum Jahr und ist trotzdem nie Routine, sagt Wilma Goebel, die zum „harten Kern“ gehört – sprich: von Anfang an dabei ist. Das Chapter sei sehr sozial eingestellt, berichtet sie. Man sei auch schon in einer Kinderklinik vorgefahren, aber die Kontakte zu Hattersheim sind etwas Besonderes. „Diese einzigartige Freundschaft, die entstanden ist, und die Begegnungen – das erdet“, ergänzt Michael Koch, President des Wiesbaden Nassau-Chapters, der mittlerweile schon 20 Jahre aktiv ist.

Wer will, fährt mit – und zwar gut begleitet

Während die einen schon beim Anblick der Maschinen ganz genau wissen, auf welcher Harley sie am liebsten Platz nehmen möchten, tasten sich andere erst einmal vorsichtig heran. Und manche schauen einfach zu und genießen das Treiben auf dem Hof. Alles ist in Ordnung – niemand muss, jede und jeder darf.

Wer mitfahren möchte, wird von Mitarbeitenden und Harley-Freunden tatkräftig unterstützt. Der passende Helm gehört selbstverständlich dazu und wird sorgfältig angepasst. Auch die Strecken sind bewusst kurz gewählt: Von der Dürerstraße geht es in kleinen Runden bis zum Naturfreundehaus in Weilbach und wieder zurück. So bleibt die Tour überschaubar. Wer unterwegs doch ein wenig unsicher werden sollte, weiß: In kurzer Zeit ist die Harley wieder zurück am vertrauten Ort.

Dass mit Geduld und vielen helfenden Händen manches möglich wird, was zunächst ziemlich schwierig aussieht, zeigt einer der ältesten betreuten Menschen besonders eindrucksvoll. Der 82-jährige Manfred sitzt im Rollstuhl und will unbedingt wieder Motorradfeeling erleben. Also wird gemeinsam überlegt und angepackt, bis er sicher auf dem Bike sitzt. Dann kann es losgehen.

Überhaupt ist an diesem Nachmittag auf dem Hof viel Bewegung. Maschinen kommen zurück, die nächsten Mitfahrerinnen und Mitfahrer stehen bereit, Helme wechseln die Köpfe und überall wird erzählt, gelacht und viel fotografiert. Der Grill raucht und unter den Festzelten trifft man sich zum quatschen. Die Harley-Freunde wirken dabei so, wie man sie hier seit Jahren kennt: unkompliziert, patent und mit einem wirklich großen Herzen fürs Soziale.

Kleine Geschenke für eine große Freundschaft

„Nach dem Event ist vor dem Event“, weiß Nils Bayer, Leiter des EVIM Wohnverbunds Hattersheim. Denn kaum sind die letzten Maschinen verschwunden, beginnt bei manchen gedanklich schon die Vorfreude aufs nächste Jahr.

Zum 25-jährigen Jubiläum gibt es diesmal aber noch etwas, das bleibt. Susanne hat eigens zahlreiche bunte Bänder für die Harleys gehäkelt. Und auch die beiden Seiten der langjährigen Freundschaft haben sich gegenseitig überrascht. Das Wiesbaden Nassau-Chapter e.V. überreicht dem Wohnverbund ein großes Erinnerungsbild: Fotos aus 25 gemeinsamen Jahren gruppieren sich rund um das imposante Chapter-Logo. „Das bekommt einen Ehrenplatz im Wohnhaus“, verspricht Nils Bayer. Und die Bewohnerinnen und Bewohner haben ebenfalls mit einem tollen Bild vorgesorgt: eine Leinwand, bestückt mit kleinen bunten Motorrädern und Miniatur-Werkzeugteilen, ergänzt um die Fingerabdrücke jedes Einzelnen. Auch dafür steht der Ehrenplatz schon fest.

Was an diesem Nachmittag spürbar ist: Hier kommen nicht einmal im Jahr ein paar Motorradfahrerinnen und -fahrer zu Besuch. Hier treffen sich Menschen, die sich kennen und aufeinander freuen. Das Brummen der Motoren und der Fahrspaß gehören natürlich dazu. Die glänzenden Harleys auch. Und die Freundschaft, die seit einem Vierteljahrhundert immer wieder nach Hattersheim zurückkehrt. (hk)