Bekannt wie ein bunter Bus - Upstairs feiert Geburtstag: 25 Jahre Hilfe für junge Menschen in Not

Upstairs „ist für mich genau das Sicherheitsnetz, das mich auffing, als alle staatlichen Netze längst gerissen waren“, ist in der kleinen Ausstellung zu lesen, die Betreute des EVIM-Jugendhilfeangebots zum Jubiläum erstellt haben. Und „Upstairs ist einfach Familie! Sie waren mehr für mich da als meine eigene Familie.“ Das Jugendhilfeangebot feierte nun sein 25jähriges Bestehen mit Partnern, Unterstützern, Vertretern der Stadt, bei Kaffee und Kuchen, mit Musik und mit einem Podiumsgespräch. Upstairs sei in Wiesbaden „bekannt wie ein bunter Bus“, sagte der Oberbürgermeister. Kein Wunder, denn der bunte Bus - die Mobile Anlaufstelle - existiert tatsächlich, ist ein Blickfang und das Markenzeichen am Rande der Reisinger Anlage.

Bedarf früh festgestellt

EVIM hat das niedrigschwellige Jugendhilfeprojekt 2001 ins Leben gerufen, nachdem man in der täglichen Arbeit der Jugendhilfe immer wieder entsprechenden Bedarf festgestellt hatte. Jugendliche und junge Erwachsene, die bereits ohne Wohnung oder von Wohnungslosigkeit bedroht waren, wurden immer häufiger angetroffen: Von zu Hause hinausgeworfen oder auch von Partner oder Partnerin getrennt, keinen Durchblick, was Hilfsangebote der Behörden anbetraf, oder auch Angst, Hilfe zu suchen. Not gab es reichlich, da war schnelle, empathische Hilfe gefragt. So wurde zunächst eine Anlaufstelle in einem Haus An der alten Synagoge eingerichtet. Dieses musste aus verschiedenen Gründen aufgegeben werden, man begriff, dass man „näher ran“ an die Zielgruppe musste. Ein erster, farbig gestalteter upstairs-Bus wurde 2008 angeschafft und an den Reisinger Anlagen platziert, mitten in Wiesbaden. Verschiedene Übernachtungsmöglichkeiten in ganz Wiesbaden wurden gesucht und auch einige gefunden, doch der Bedarf an solchen „Notschlafstellen“ ist auch heute noch groß. 

Buntes Wohnmobil als Markenzeichen

2013 kam dann das bunte Wohnmobil - gestaltet von Jugendlichen. Die Idee dahinter: „Wenn das Leben schon trist und grau ist, soll die Hoffnung auf Hilfe bunt sein.“ Das upstairs-Wohnmobil steht immer dort, gehört fest zum Stadtbild, zu bestimmten Öffnungszeiten ist jemand da. Einzigartig ist die unbürokratische Hilfe und Begleitung, die bei upstairs unabhängig von Zuständigkeiten angeboten wird. Jeder kann zu den Öffnungszeiten kommen und ist willkommen. Vor allem sind hier Menschen, die zuhören. Die nicht verurteilen. "Wir sind so lange zuständig, bis jemand übernimmt", lautet das Motto. Auch durch die schwierige Coronaphase hat man es geschafft und eröffnete kurze Zeit später in Kooperation mit der Landeshauptstadt Wiesbaden ein „Clearinghaus für junge Wohnungslose“, gefördert vom Europäischen Sozialfonds bis 2027. Dort können die jungen Menschen nicht nur übernachten, sondern sich auch aufhalten, Wäsche waschen, an ihrer Perspektive arbeiten und eine Postadresse erhalten. Die Jubiläumsfeier, die von Micha Spannaus souverän moderiert wurde, umfasste nicht nur viele Glückwünsche aus Politik und von langjährigen Partnern und Förderern des komplett spendenfinanzierten Projekts mit Bedarf von rund 300.000 Euro jährlich, sondern auch eine von den Betreuten - gemeinsam mit dem upstairs-Team - erstellte Ausstellung, die Einblicke in die Lebenslagen gab, die es nötig machten, upstairs aufzusuchen. 

Es kann ganz schnell gehen

Das kann schnell gehen, unerwartet passieren. Eigentlich sei das Projekt ein „Stachel im Fleisch“, so Oberbürgermeister Mende. Denn im reichen Wiesbaden gebe es soziale Spaltungen, Notlagen, die „gerne ausgeblendet“ würden. „Wir wollen niemanden im Stich lassen“, sagte Mende – aber man sei auf kompetente Hilfe von Trägern wie EVIM angewiesen. „Wir brauchen Sie weiterhin“, sagte er in seiner Glückwunschrede. Eigentlich, so Klaus Friedrich, Geschäftsführer im Arbeitsfeld Jugendhilfe, „müssen wir uns selbst überflüssig machen – aber es geht weiter.“ Also wolle man auch weiterhin da sein für junge Menschen, die Hilfe benötigen, ihnen bedarfsgerecht helfen und vor allem erst einmal zuhören. Denn alle, die kommen, bringen ihre eigene Situation mit, alle sind verschieden. Teamleiterin Trucy Vo holte ihr vierköpfiges Team auf die Bühne, dem sie sehr herzlich dankte. Die Arbeit sei sinnvoll und notwendig. Weit über 100 Jugendliche suchen hier jährlich Hilfe. Und Esther Wagner hob die sehr gute Zusammenarbeit mit dem upstairs-Team hervor. Das haben ihr alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich bestätigt, würdigte die Abteilungsleiterin Sozialdienst im Amt für Soziale Arbeit der Landeshauptstadt die fachliche Expertise bei upstairs im Podiumsgespräch.

Zwei Klienten aus früheren Jahren erzählten von ihren guten, prägenden Erfahrungen mit upstairs: Alex verlor mit 18 seine Wohnmöglichkeit, googelte, wer ihm helfen könnte und stieß auf upstairs, nachdem er viele schlechte Erfahrungen mit Behörden gemacht hatte. „Hier hat man mir innerhalb von 45 Minuten eine Unterkunft vermittelt.“ Er habe erfahren, „was gute soziale Arbeit leisten kann“. Daher studiert er jetzt selbst Soziale Arbeit. Martin saß nach einer Operation und einer Trennung vor 11 Jahren auf der Straße. Die Teestube schickte ihn zu upstairs. Hier habe man ihm Wege aufgezeigt, die er gehen kann. „Heute führe ich ein glückliches Leben“, sagt er, er habe Arbeit, sei verheiratet. EVIM-Vorstandsvorsitzender Matthias Loyal dankte dem Team und den langjährigen Spendern und Sponsoren, zu denen beispielsweise Gerald Kink vom Hotel Oranien gehört. „Spenden Sie“, appellierte dieser. „Die Spende kommt hundertprozentig an.“ (abp/hk) Fotos: P.Müller/A.Schlote)

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