Performance mit Angelika Egger und Ulrich Völke bei einer Probe für die neue Inszenierung, Gruppe ZEITLOS

ZEITLOS auf Lebensreise – Aufführungen im thalhaus Wiesbaden

Mit Kreativität und Spielfreude setzt sich die Theatergruppe ZEITLOS in der neuen Inszenierung mit den großen Fragen des Seins auseinander. Drei Jahre arbeiten die theaterbegeisterten Mitglieder an dem Stück, das im November in Wiesbaden aufgeführt wird. Zum Pressetermin gab es nicht nur Einblicke in die Probenarbeit, sondern auch spannende Gespräche über das, was ZEITLOS bewegt.

Langsam rollen die beiden aufeinander zu, umkreisen sich, heben die Hände, berühren sich. Ein eindrucksvolles Ballett mit zwei Rollstühlen. Die beiden Schauspieler lächeln sich versunken an, sind ganz im Moment. Sie gehören zur Theatergruppe „Zeitlos“, die es bereits seit mehr als 25 Jahren gibt. Malen, Singen, Tanzen, Theaterspielen gehört im Alltag bei EVIM überall dazu. Kreativität gemeinsam mit anderen tut gut und bereichert. Die Gruppe „Zeitlos“ ist dafür ein besonders schönes Beispiel. Sie entwickelt gemeinsam mit der Tanztherapeutin Katharina Weil die Stücke, die regelmäßig im thalhaus aufgeführt werden. „Die drei Säulen des Seins“ lautet dieses Mal der Titel. Klingt tiefgründig, ist es auch – aber Humor, Lachen und Leichtigkeit kommen auch nicht zu kurz. Nur einige kleine Häppchen zeigt die Theatergruppe den Pressevertretern, „den Rest sehen Sie im thalhaus“, sagt Wenzel Friebe, langjähriges Gruppenmitglied, mit einem Schmunzeln. Friebe liebt das Theaterspielen genau so wie das Musikmachen, er spielt neben „Zeitlos“ auch noch Schlagzeug in der EVIM-eigenen Rockband „Ruhestörung“. Manchmal müsse er sich nach dem Arbeitstag montags noch ziemlich motivieren, um an der Probe teilzunehmen, aber er freue sich doch immer, wenn er das getan hat. Die meisten Mitglieder der Gruppe sind schon sehr lange mit dabei. Es ist immer ein tolles Erfolgserlebnis, wenn ein Stück fertig entwickelt wurde, dieses Mal arbeitet „Zeitlos“ schon drei Jahre daran. Dass die Stücke vor Publikum aufgeführt werden, gehört zum Konzept. Man will sich öffentlich zeigen, die Stärken präsentieren, andere mitreißen. 

Von Lebensfragen, Koffern und persönlichen Geschichten

Die „drei Säulen des Seins“ sind drei Fragen, die sich jeder stellt: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Wer bin ich? Das wird hier als „Lebensreise“ interpretiert. Und auf Reisen nimmt man einen Koffer mit. Davon gibt es jede Menge auf der Bühne, sie werden hin- und hergetragen, geöffnet und geschlossen. Darin sind verschiedene symbolträchtige Dinge enthalten. Nur angedeutet werden beim Probenbesuch die collageartig zusammengefügten Szenen, die mit viel Bewegung und viel Charme vorgetragen werden. Die Texte sind tiefsinnig, regen zum Mitfühlen und Nachdenken an. 

Das Thema „Reise“ habe am Anfang der Stückentwicklung gestanden, berichtet Katharina Weil. Wie man daraus eine abendfüllende Aufführung macht, stellt die Herausforderung an die Gruppe dar. Das große Zusammengehörigkeitsgefühl, die Verbindlichkeit, die die Akteure an den Tag legen, sei ein echtes Geschenk, meint die Tanztherapeutin, die sich der Gruppe sehr verbunden fühlt. Unterstützt wird sie von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen. „Zeitlos“ ist dabei ein genau passender Name, denn die Zeit ist gar nicht wichtig. Sie verstreicht, dehnt sich, verfliegt: Der Weg ist das Ziel. Texte werden selbst geschrieben, manche Szenen – wie der Rollstuhl-Tanz – kommen aber auch ganz ohne Worte aus. Sie berühren und zeigen persönliche Reflexionen der Teilnehmenden. Jeder und jede findet eine eigene Ausdrucksform. „Die Mitspielenden lassen sich auf den Prozess ganz ein“, freut sich Katharina Weil. Das Stück selbst ist eine Reise, es ist im Fluss, entwickelt sich immer weiter. 

Den beiden Aufführungen am 11. und 12. November im thalhaus (20 Uhr) fiebern alle entgegen. Neben den Koffern, so viel lässt sich Katharina Weil entlocken, spielen auch „Lebensfäden“ als Requisiten eine Rolle. Ursula Bender, stellvertretende Geschäftsbereichsleitung der EVIM-Teilhabe, ist begeistert vom Probenbesuch. Sie würdigt die enorme Wirksamkeit und den hohen Einsatz aller Mitwirkenden. „Wir unterstützen die Gruppe, bis keiner mehr Lust hat“, sagt sie lachend. Das dürfte noch sehr lange sein, denn die Spiellust ist spürbar und die Lust auf die Aufführung auch. Und auch Katharina Weil meint: „Ich will mit 90 Jahren noch bei euch im Publikum in der ersten Reihe sitzen und applaudieren.“ (abp, Fotos: evim)