Kreativ im Sonnenschein

Zelte stehen im Innenhof der EVIM-Wohnhäuser in der Johannes-Brahms-Straße in Wiesbaden, viele Zelte, darunter werden große Tische aufgestellt, an denen es sich basteln und malen lässt. Zu Gast sind auf Anregung von Artjom Chepovetskyy rund 20 auszubildende Heilerziehungspfleger:innen aus Hochheim.

In der dortigen Lebenshilfe Fachschule für Sozialwesen absolvieren sie eine duale Ausbildung mit hohem Praxisanteil, der unter anderem auch bei EVIM stattfinden kann. Artjom Chepovetskyy, der in der Brahms-Straße ein Malatelier betreut sowie neben eigener künstlerischer Tätigkeit an verschiedenen Schulen, auch am Geisberg, unterrichtet, hat Kontakte zur Ausbildungsstätte und organisiert etwa einmal pro Jahr eine Begegnung zwischen den Schüler:innen und den Bewohner:innen der Häuser. Wer von diesen in Werkstätten arbeitet, kann dafür einen Tag Bildungsurlaub nehmen. 

Malen mit Fäden, Pinseln, Murmeln 

Eingeladen sind alle, die auch in den vielen umliegenden EVIM-Häusern wohnen – und Artjom Chepovetskyy hat die Idee, das Ganze künftig auch noch auszuweiten, zum Beispiel Senior:innen aus dem Ludwig-Eibach-Haus oder anderen Service-Wohnen-Häusern einzuladen. Der Tag gliedert sich in zwei kurzweilige Teile: Am Vormittag finden an mehreren Stationen unter den Zelten verschiedene Bastel- und Malaktionen statt. Da zeigt sich: Man kann nicht nur mit dem Pinsel malen, sondern auch mit einem Wollfaden, mit Murmeln, man kann bunte Linien in beschichtetes Papier kratzen, stempeln, Aufkleber anordnen oder mit Krepppapier kreativ werden. Oder eben doch ganz konventionell mit Pinseln malen. Die Azubis haben sich verschiedene, leicht durchführbare kleine Projekte überlegt, bei denen auch Menschen, die motorisch eingeschränkt sind, gleich mitmachen können. Bei schönem Frühlingssonnenschein fanden sich unter den Zelten dann auch gleich Gruppen zusammen, die mit Begeisterung ans Werk gingen. Die Kunstwerke, die dabei entstanden, durften sie behalten. Es sei eine schöne Praxiserfahrung, sagte eine der Schülerinnen, und habe schon in der Vorbereitung großen Spaß gemacht. 

Viel Abwechslung

Viel Abwechslung auch für die EVIM-Klient:innen, die hier auch einmal wieder vom großen Engagement in Richtung Kunst, Musik, Theater, Tanz profitieren konnten, das EVIM als selbstverständlichen Bestandteil des Alltags anbietet. Am Nachmittag war dann noch eine weitere Aktion vorgesehen, für die, die noch genügend Kondition hatten: In der Geisbergstraße wurde eine Mauer in einem Innenhof der dortigen Wohnhäuser bemalt. Oder besser gesagt: Übermalt, denn vor zwei Jahren hatte Artjom Chepovetskyy schon mit einer Gruppe Azubis und Bewohner:innen die Mauer verschönert. Nicht ausgeschlossen, dass das in weiterer Zukunft wieder passiert. Die Mauer eignet sich dafür sehr gut, denn hier können auch die vielen Rollifahrer:innen problemlos tätig werden und auf ihrer eigenen Augenhöhe malen. Zunächst wurden Farbfelder ausgemalt, dann je nach Belieben Motive darauf gezeichnet oder gesprüht. So wie zum Beispiel Philipps „FC-Bayern-München“-Wappen, auf das der junge Mann, in ebensolchem T-Shirt gekleidet, unheimlich stolz war. Zwei Stunden konnte noch in sehr fröhlicher Runde gemalt werden, ein sehr abwechslungsreicher Frühlingstag für alle. Die Studierenden werden danach Berichte verfassen, diese werden dann auch benotet. Doch erstmal stand für alle der Spaß am Kreativsein im Vordergrund. (abp)