Die Künstlerin Cato-Irmela Diez (2.v.r.) mit Peter Kiel (r.), Cornelia Baumbach (3.v.r.) von EVIM und Torsten Anstädt - gemeinsam konnten sie viel bewirken.

Lebensmut in Leinwand – Die Kraft der Kunst in allen Lebensphasen

„Trotzdem“ oder „Unbeschreiblich“ heißen ihre Bilder. „Bittersüß“, „Schmerz-Energie“. Aber auch „Gartenglück“, „Himmel und Erde“. Und dann gibt es noch den „Drachen der Sehnsucht“. Cato-Irmela Diez ist eine produktive, begabte Malerin, die ihre gesamte Gefühlswelt in Farbe auf Leinwände zu bringen versteht. Malen ist für sie ein Prozess, in dem sie zu sich selbst findet. 19 ihrer Werke sind derzeit im Wiesbadener Rathaus zu sehen.

Farben haben besondere Bedeutung für sie. Cato-Irmela Diez wohnt im Wiesbadener Stadtteil Eigenheim, wo EVIM auch Häuser mit Service-Wohnungen hat. Es gibt dort ein aktives Quartiersmanagement, das Cornelia Baumbach als Koordinatorin für das ServiceWohnen mit Leben füllt. Sie bringt die Menschen zusammen und bietet ihnen Unterstützung an. Das war besonders während der Corona-Phase wichtig: Die Senior:innen erhielten Anleitung beim Bedienen digitaler Geräte, um zum Beispiel per Zoom-Call Kontakt zu halten oder auch kulturelle Angebote wahrzunehmen. Wie die „Gute Stunde“ der HumaQ von Torsten Anstädt, der damit Konzerte und andere kulturelle Highlights in die Wohnzimmer brachte. Das hat Cato-Irmela Diez stets Spaß gemacht. 

Biographischen Film gedreht

Immer offen für Neues, nahm sie auch an einem Biographie-Projekt teil, bei dem sie und andere Teilnehmende ihr Leben in einem kleinen Film darstellen konnten. Das hat Cato-Irmela Diez mithilfe ihrer Bilder getan. Viele hat sie in diesem Film gezeigt, besonders ihren „Lebensbaum“ inspiriert von Hermann Hesses Gedicht „Stufen“. Das wiederum beeindruckte Torsten Anstädt, der dafür sorgen konnte, dass Cato-Irmela Diez nun erstmals ihre Bilder einem größeren Personenkreis zeigen durfte. Und zwar an der wohl zentralsten Stelle Wiesbadens: Im Rathaus-Foyer. Dieses ist immer für Ausstellungen Wiesbadener Bürger und Bürgerinnen, Vereinen, Institutionen offen, aber auch stets ausgebucht. Nun aber gehörte der Raum für eine Woche Cato-Irmela Diez, die sichtlich stolz darauf war, 19 ihrer Bilder hier zeigen zu dürfen, die auch käuflich zu erwerben sind. Viele Weggefährten, Verwandte, Nachbarn, Freunde waren da, um zur wunderschönen Musik des Wiesbadeners Ako Karim mit der Malerin ins Gespräch zu kommen und ihren Farbenrausch zu genießen. Zu Karims Klängen hat Cato-Irmela Diez auch bereits gemalt. 

Eine (frauen-)bewegte Lebensgeschichte

Die Wiesbadenerin kann auf eine bewegte Lebensgeschichte zurückblicken. Wie bei den meisten Menschen auch nicht ohne Krisen und Tiefpunkte. Das Malen hat ihr dabei stets geholfen. Sie war lange Jahre im Familienunternehmen tätig, das Teppiche und Tapeten verkaufte, und übernahm später die Geschäftsführung. Sie wurde aktiv in der Frauenbewegung, arbeitete zwischenzeitlich beim Frauenbuchladen. Dann begann sie ernsthaft mit dem Malen, was ihr auch über Phasen schwerer Krankheit und Tod der Eltern hinweghalf. Damals war sie schon einmal mit ihren Bildern im Rathaus vertreten: Im dritten Stock, im Referat der Kommunalen Frauenbeauftragten. Nach über 20 Jahren sind ihre Bilder nun wieder im Rathaus angelangt. Inzwischen hat sie sich aus tiefer innerer Überzeugung einen Künstlernamen zugelegt: „Cato“ ist inspiriert von einer Widerstandskämpferin im Dritten Reich, Cato Bontjes van Beek, die im Alter von 22 Jahren von den Nazis hingerichtet wurde. Ihr starker Glaube, ihr Mut und ihre Mitmenschlichkeit - bis zuletzt - haben die Wiesbadenerin beeindruckt, die resolut und selbstbewusst, trotzdem überwältigt und gerührt ihre Ausstellung eröffnete. 

Kritisch, nachdenklich, präsent

Peter Kiel, Leiter ServiceWohnen und Quartiersmanagement bei EVIM, kennt die kunstsinnige Mieterin sehr gut. Deswegen hielt er auch die Laudatio bei der Vernissage im Rathaus. Sie sei „kritisch, herzlich, nachdenklich, präsent – sie bereichert uns“, sagte er. Alle ihre Gefühle, die Höhen und Tiefen ihres Lebens, könne man in den meist abstrakten und sehr farbstarken Bildern nachvollziehen. Malen sei ihre zuverlässige Stütze in allen Lebensphasen gewesen. Auch Spiritualität drücke sie in ihren Farben aus. Die Kunst sei sehr persönlich, sehr autobiographisch, expressiv, explosiv, dynamisch und kraftvoll. Und mache Hoffnung: Der „Drache der Sehnsucht“ zum Beispiel stehe dafür, dass man im Alter - Cato-Irmela Diez steht mittlerweile im achten Lebensjahrzehnt - eben nicht mehr so einfach alles machen könne, was man wolle. Doch dann male man es sich eben. Aufgeben ist keine Alternative für Cato-Irmela Diez. Für sie hat sich mit der Ausstellung ein Traum erfüllt. Wer mehr ihrer Bilder sehen will – der muss sie in ihrer Wohnung besuchen, sagte Peter Kiel mit einem Augenzwinkern. Im „Eigenheim“, wie der Stadtteil hoch über Wiesbaden heißt, gibt es aber auch das „Café Son(n)derBar“, ein Quartierstreffpunkt, wie er schöner nicht sein kann. Dort ist Cato-Irmela Diez oft anzutreffen. Und spricht sicherlich immer gerne über ihre Kunst und wie sie ihr im Leben hilft. (abp/hk; Fotos: Paul Müller)

Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Februar 2026 im Rathaus-Foyer zu sehen.