Mehr Lebensqualität durch Gartentherapie: IKK classic fördert Weiterbildung im Wichernstift Wiesbaden
Was für eine tolle Idee! Die IKK classic, eine Kranken- und Pflegekasse, suchte Mitarbeitende aus Senioreneinrichtungen, um sie zu „gartentherapeutischen Assistenzkräften“ zu qualifizieren. Dabei gab es in ganz Hessen Einrichtungen, die mitmachten. Und auch in Wiesbaden: Mitarbeiterinnen des EVIM Johann-Hinrich-Wichern-Stifts in Wiesbaden absolvierten die Ausbildung.
Hier ausnahmsweise gleich drei: „Denn wir haben hier drei voneinander unabhängige, jeweils barrierefrei von den Wohnbereichen aus zu erreichende Gärten“, erklärte Einrichtungsleiterin Christina Campe bei der Übergabe der Zertifikate. Blumensträuße gab es natürlich noch dazu. So konnte tatsächlich erreicht werden, dass die Fortbildung drei Mitarbeiterinnen zugutekommen konnte. Nach fast einem Jahr haben Carolina Hay, Daniela Cecere und Tugba Inanir die Fortbildung erfolgreich abgeschlossen. Die drei hatten viel Spaß dabei und freuen sich über ihr Zertifikat, eine offiziell anerkannte Weiterbildung. Sie mussten zum Abschluss individuelle Konzepte für die Einrichtung entwickeln und präsentieren. Eine Gartentherapeutin, Sigrid Bernhard, war an 24 Terminen vor Ort, online gab es weitere Unterrichtseinheiten und die Abschlusspräsentation. Es wurde also eine Menge Zeit in die Weiterbildung gesteckt. Das wurde von Christina Campe unterstützt, die den Mitarbeiterinnen die Stunden zur Verfügung stellte. Auch Materialien zur Umsetzung praktischer Projekte konnten erworben werden.
Farbenfrohe Wandgestaltung
Anke Scholl, Gesundheitsmanagerin der IKK classic, überreichte ihnen das Zertifikat „Gartentherapeutische Assistenzkraft“. Sie gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Projekte in den Einrichtungen nachhaltig wirken, also im Alltag weitergeführt werden. Die Bewohner und Bewohnerinnen des Wichernstiftes hätten tatsächlich viel Spaß an dem Projekt gehabt, unterstreichen die drei frisch gebackenen „Gartentherapeutinnen“. Manche seien aktiver dabei gewesen, andere eher beobachtend, aber alle hätten davon profitiert. Das sichtbarste Ergebnis ist eine wunderschön gestaltete Betonwand, vorher unansehnlich und grau, jetzt himmelblau mit einer lachenden Sonne und vielen Blumen, deren Blüten bei näherem Hinsehen aus Handabdrücken der Bewohnenden bestehen. „Gartentherapie fördert kognitive Fähigkeiten und weckt positive emotionale Empfindungen“, sind sich die Experten einig. Ähnlich wie auch durch Musik – oder Kunsttherapie kann der Alltag von Bewohnenden in Einrichtungen bereichert werden, sie werden aktiviert und können Fähigkeiten manchmal regelrecht wiederentdecken.
Sinnvolle Prävention
Daher wird das Projekt auch als „Gartentherapie als Präventionsmaßnahme“ bezeichnet. Die IKK classic fördere die Gartentherapie deswegen auch gerne, sagte Anke Scholl. Kooperationspartner sind das Institut GÄRTEN HELFEN LEBEN und das Institut ILAG. Während der einjährigen Programmlaufzeit wurde in Theorie- und Praxisphasen medizinisch-therapeutisches und gärtnerisches Fachwissen vermittelt. Die angehenden Gartentherapeutinnen konnten ein breites Fachwissen in Botanik, Nutz- und Heilpflanzen sowie psychotherapeutischen Methoden für ihre tägliche Arbeit mit den Bewohnerinnen und Bewohnern erwerben. Ganz praktisch wurde angepflanzt, gegossen, gepflegt, geerntet, verarbeitet, dekoriert und gebastelt. So hängen in den Gärten nun viele Vogelfutterstationen, es wurden Tischdekorationen gebastelt und andere schöne Dinge. Nicht jede Senioreneinrichtung hat so tolle Gärten zur Verfügung, aber es würde auch gehen, wenn man „nur“ Balkonkästen gestaltet oder sogar nur in Innenräumen arbeitet, meint Anke Scholl. Grün geht überall! „Jedes Stückchen Natur hat das Potenzial, therapeutisch und sozial genutzt zu werden und so zur Gesundheit beizutragen. Dies fördern wir mit der Gartentherapie“, sagt Gartentherapeutin Sigrid Bernhard. Und viele Menschen wissen: Der Kontakt zu Pflanzen und Natur kann besonders wichtig für Gesundheitsvorsorge und Lebensqualität sein. „Nur wenige Minuten im Garten sind notwendig, um ein gutes Gefühl, Entspannung und Wohlbefinden zu erzeugen“, erklärt Anke Scholl.
Nächste Aktion: Hochbeete bepflanzen
Das Johann-Hinrich-Wichern-Stift in Wiesbaden hat die Gartentherapie jetzt dauerhaft für sich entdeckt. „Alle Bewohnerinnen und Bewohner können sich jetzt ab dem Frühjahr wieder auf eine aktive Zeit im Garten freuen“, kündigt Einrichtungsleiterin Christina Campe an. „Unsere Bewohner freuen sich schon auf die Aktionen. Bald werden wieder die Hochbeete eingepflanzt“, ergänzt Daniela Cecere. Carolina Hay fügt hinzu: „Selbst über die Wintermonate waren wir in der Gartentherapie aktiv.“ In einer weiteren Phase soll jede „Gartenetage“ ihr eigenes Gerätehäuschen erhalten. Das wird hoffentlich wieder im Rahmen der Aktion „Wiesbaden engagiert“, bei der sich Firmenmitarbeiter für solche Zwecke eine ganze Woche lang in den verschiedensten Einrichtungen betätigen, stattfinden. Tatkräftige Leute bei „Wiesbaden engagiert“ haben im Wichernstift schon ein sehr beliebtes Kaninchengehege in einem der Gärten ermöglicht. (abp)