EVIM-Kita setzt beim Delegiertentag des Deutschen Schaustellerbundes neue Impulse
Mitte Januar traf sich die Schaustellerbranche in Paderborn zum weltweit größten Fachtreffen. Bei der Delegiertentagung des Deutschen Schaustellerbundes stellte Theresa Saup, Leiterin der EVIM-Kita für Kinder beruflich Reisender, das bundesweit einzigartige Angebot vor und präsentierte zentrale Meilensteine für die Weiterentwicklung im Jahr 2026 mit einem besonderen Fokus auf den Ausbau der Eltern- und Erziehungspartnerschaft.
Seit mehr als fünf Jahren ist die Kita für Kinder beruflich Reisender mit ihren rollenden Kita-Mobilen auf Festplätzen und in Standortquartieren von beispielsweise Schausteller- und Zirkusfamilien unterwegs. Das aufsuchende Angebot hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die positiven Effekte der frühkindlichen Bildungsarbeit sind spürbar und wurden auch beim Delegiertentag in vielen Gesprächen deutlich. Aktuell betreut ein sechsköpfiges pädagogisches Team rund 35 Stammkinder sowie zahlreiche durchreisende Kinder.
Gruppenangebote stärken soziale Erfahrungen
Ein wichtiger Meilenstein ist der Ausbau von Gruppenangeboten. Bereits vor drei Jahren startete ein Pilotprojekt in Kooperation mit der EVIM-Kita am Schlockerhof in Hattersheim. Dort konnten Kinder beruflich Reisender an mehreren Tagen gemeinsam in festen Räumen spielen, lernen und soziale Erfahrungen sammeln. „Für die Kinder ist es etwas Besonderes, eine große Kita mit mehreren Räumen zu besuchen und den Alltag dort mitzuerleben“, sagt Theresa Saup. Gleichzeitig profitieren sie davon, Gleichaltrige kennenzulernen, die in ähnlichen Lebensrealitäten aufwachsen. Kontakte zu den Kindern der Regelkita sind dabei ebenfalls erwünscht und werden beispielsweise bei Bewegungsangeboten im Außengelände gefördert.
Die bisherigen Erfahrungen aus Hattersheim zeigen sowohl positive als auch herausfordernde Aspekte. Das vierteljährliche Angebot wird von einigen Eltern und Kindern gut genutzt, auch wenn es für die Familien mit zusätzlichem organisatorischem Aufwand verbunden ist. „Diese Form möchten wir künftig auch an weiteren Standorten ermöglichen“, so Theresa Saup. Gesucht werden dafür geeignete Räumlichkeiten, etwa in Gießen, Bad Vilbel, Bad Homburg und perspektivisch auch in Frankfurt, insbesondere während der Dippemess.
Impulse für Eltern- und Erziehungspartnerschaft
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau der Eltern- und Erziehungspartnerschaft. „Wir legen den Fokus darauf, Eltern in ihren Kompetenzen zu begleiten und zu stärken“, sagt Theresa Saup. Vorgesehen sind ein monatlicher Newsletter mit Einblicken in die pädagogische Arbeit sowie alltagstauglichen Spiel- und Förderideen für zu Hause. Ergänzend entstehen Materialboxen zur Ausleihe, die Familien praktisch im Alltag unterstützen.
Eltern-Kind-Ausflüge
Ein Herzensprojekt des Teams sind zudem gemeinsame Eltern-Kind-Ausflüge. Den Auftakt bildet in diesem Jahr ein Ausflug zum Schloss Freudenberg in Wiesbaden. „Wir möchten einen ganzen Tag gemeinsam mit den Familien gestalten“, berichtet Theresa Saup. Ausgangspunkt war der Wunsch nach mehr Austausch in einem alltagsnahen und ungezwungenen Rahmen. Gemeinsame Eltern‑Kind‑Ausflüge bieten hierfür eine gute Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen und Kontakte zu knüpfen. „Solche gemeinsamen Aktivitäten fördern Beziehungen und schaffen Vertrauen“, so die Leiterin.
Hessen ist Vorreiter
Auch auf dem Delegiertentag wurde deutlich: Frühkindliche Bildung hat für beruflich reisende Familien einen hohen Stellenwert. Immer wieder wurde gefragt, warum es das EVIM-Angebot nicht auch in anderen Bundesländern gibt. Ein Blick nach Nürnberg macht den Bedarf deutlich: Während des Weihnachtsmarktgeschäfts entstand dort aus Eigeninitiative von Eltern und Schaustellerverband eine Container-Kita in Zusammenarbeit mit einem lokalen Träger.
„Hessen ist hier Vorreiter“, erklärt Theresa Saup. Das Bundesland deckt den Bildungsbereich für Kinder beruflich Reisender umfassend ab – von der frühkindlichen Bildung über schulische Angebote bis hin zur beruflichen Ausbildung. Möglich wird dies auch durch die enge Zusammenarbeit mit dem EVIM-Schwesterprojekt der Schule für Kinder beruflich Reisender sowie weiteren Ausbildungsangeboten mit EVIM-Beteiligung. Unter Beteiligung der wissenschaftlichen Begleitung der Kita, Frau Prof. Briedigkeit, ist zudem die Gründung eines Arbeitskreises „Frühkindliche Bildung“ beim Bildungsverband für beruflich Reisende in Planung.
Kita-Mobile am Limit
Eine Herausforderung bleiben die in die Jahre gekommenen Kita-Mobile. Aktuell sind drei Fahrzeuge im Einsatz, ergänzt durch ein Ersatzfahrzeug, das aufgrund von Werkstattzeiten regelmäßig mit genutzt wird. Vier Kolleginnen arbeiten aktuell in Süd- und Mittelhessen, zwei weitere seit Anfang des Jahres in Nordhessen – dort mit besonders weiten Fahrstrecken aufgrund fehlender Ballungsräume.
„Kita verbindet die Eltern“
Trotz einiger Herausforderungen zieht Theresa Saup ein durchweg positives Fazit: „Auch nach fünf Jahren macht diese Arbeit unglaublich viel Freude. Wir erleben viel Dankbarkeit von Seiten der Eltern.“ Besonders wertvoll sei, dass Eltern bei der aufsuchenden Arbeit regelmäßig mit vor Ort sind und die Förderung ihrer Kinder aktiv mittragen. Ein schönes Beispiel für die Wirkung des Angebots zeigte sich kürzlich: Zwei Schaustellerfamilien, deren Winterquartiere nahe beieinander liegen, fanden über die Kita zueinander und verabreden sich inzwischen selbstständig zu gemeinsamen Aktivitäten. „Kita verbindet die Eltern“, sagt Theresa Saup mit einem Lächeln. Inzwischen begleitet die Kita manche Kinder über mehrere Jahre hinweg – bis zum Übergang in die Schule für Kinder beruflich Reisender. Der Schulbeginn wird traditionell mit einem großen gemeinsamen Fest gefeiert, das einen besonders gelungenen Übergang in den nächsten Bildungsabschnitt markiert. (hk/ts)