Wenn der Dienstagmorgen zur Bühne wird – und alle im Takt sind
Es gibt Menschen, die morgens einen Kaffee brauchen, um in Schwung zu kommen. Die Schlocker-Tigers gehören garantiert nicht dazu. Dienstagmorgen, ab acht Uhr, geht bei der Probe der legendären Tanzgruppe am Schlockerhof „die Post ab“. Wer da nicht in Stimmung kommt, dem ist nicht zu helfen.
Ein Team mit Geschichte
Die Schlocker-Tigers sind wie Profis. Sie tanzen auf großen Bühnen, rocken Fastnachtssitzungen in der Region und sind überhaupt eine dufte Truppe: und das seit über 20 Jahren in wechselnder Besetzung. Gut ein Drittel der aktuell etwa ein Dutzend Mitglieder ist seit vielen Jahren dabei. So richtig in Schwung kommen sie, wenn die beiden Choreografinnen Helen Schulschenk und Franziska Jonas sie zu Hochform motivieren, wie bei der Generalprobe für den Faschingsauftritt in dieser Woche. Mit feschen Cowboy-Hüten und im Indianerlook tanzen sie zu bekannten Songs, die an Fastnacht nicht fehlen dürfen. „Jetzt zeigen wir mal, was wir drauf haben“, ruft Helen Schulschenk in die Runde. Die Tigers, so spürt man, sind dafür mehr als bereit. Die Bewegungsabläufe für die drei Stücke sitzen bei den allermeisten schon sicher. Vor dem großen Spiegel im Gymnastikraum prüft jeder aufmerksam, wie sich Hüftschwung und Schrittfolge noch verbessern lassen können. Cristina, André, Dani und Marianne sind „alte Hasen“ und helfen den Neulingen. Cristina - mit spanischen Wurzeln und Flamenco-Königin – zeigt Dennis, wie die Schritte gehen und auch André hat von ihr gelernt, wie er sagt. Er ist für seine akrobatischen Einlagen auf der Bühne bekannt. Beim „Gute-Laune-Lied“ geben alle nochmal alles, bevor die wohlverdiente Trinkpause ansteht.
Die beiden Anleiterinnen sind zufrieden und lassen die Tigers beim zweiten Durchlauf allein tanzen. Das klappt richtig gut. Michelle - zentral in erster Reihe – könnte fast schon selbst die Choreografie übernehmen kann, so sicher und scheinbar mühelos sitzt jede Bewegung. Resolut und selbstbewusst wie auf der Bühne arbeitet sie auch im Verkauf beim Schlocker-Bäcker.
Mit Herz angeleitet
Helen Schulschenk studiert soziale Arbeit und ist derzeit im Praxissemester am Schlockerhof. Neben dem Sozialen ist die Musik ihre zweite große Leidenschaft: Als Sängerin tritt sie regelmäßig in der Region auf und ist auf Streamingplattformen sehr erfolgreich. Daher war es nur folgerichtig, dass sie auch einen kleinen Inklusionschor mit Kita-Kindern und Klienten auf die Beine stellen durfte. Ihre Kollegin Franziska Jonas war u.a. einige Jahre Gruppenleiterin in der Reha-Werkstatt und wechselte im Herbst in den Bildungsbereich am Schlockerhof. Für beide sind die Schlocker-Tigers ein echtes Herzensprojekt. Was sie an der Formation begeistert? Helen Schulschenk beeindruckt der Teamgeist, das Miteinander. „Die Mitglieder kümmern sich umeinander, fragen, wie es geht, bringen einander etwas zu trinken, wenn sie merken, dass der andere es braucht.“ Franziska Jonas hebt die Bühnenerfahrung hervor: „Sie sind supergut eingespielt, da gibt es eine schöne Gruppendynamik.“ Der gute und respektvolle Umgang sei auch ein Erfolg der Arbeit von Christina Duchhardt, die die Gruppe lange Zeit geleitet habe.
Anerkennende Worte kommen auch von den Mitgliedern zurück: „Helen, Du bist die Coolste“, ruft Cristina. Und alle jubeln, als Franziska Jonas beim Free-Style-Song zum Abschluss der Probe gemeinsam mit ihnen Mambo tanzt.
Eins im Rhythmus
Ans Aufhören denkt niemand aus der Tanztruppe - auch Dario und Dennis nicht, die an der Seite von André die Männerfraktion verstärken. Doch egal, wie die Rollen verteilt sind, die Schlocker-Tigers sind eins im Rhythmus. Und so verabschieden sie sich traditionell unisono mit dem Schlocker-Gruß: „Egal, ob Norden, Osten, Süden, Western – die Schlocker-Tigers sind die Besten!“ (hk)