Gemeinsam Übergänge gestalten: Wie EVIM den Weg auf den allgemeinen Arbeitsmarkt stärkt
Seit August 2025 beteiligt sich der EVIM Werkstättenverbund am Projekt zum Inklusions- und Übergangsmanagement (kurz: InklUMa). Gefördert durch das Hessische Ministerium für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales sowie das Integrationsamt im Rahmen des Programms HePAS, verfolgt das auf drei Jahre angelegte Projekt ein klares Ziel: Übergänge von Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern – strukturell, strategisch und im engen Schulterschluss aller Beteiligten.
Eine gewachsenen Basis als Ausgangspunkt
Der EVIM Werkstättenverbund bringt für diese Aufgabe eine starke Ausgangsposition mit. Mit etablierten Bereichen wie Startklar und der Jobfabrik existiert bereits eine langjährig erfolgreiche Arbeit zur beruflichen Integration. Hier werden Menschen mit Beeinträchtigungen individuell begleitet, um Praktika, Außenarbeitsplätze oder sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen zu ermöglichen, betonen Projektkoordinatorinnen Noura Schmuck und Kathrin Eder mit ihrer Teamkollegin Jenny Wächter.
Diese Erfahrung bildet das Fundament für den nächsten Entwicklungsschritt: von vor allem einzelfallbezogener Vermittlung hin zu einer systematisch aufgebauten und strategisch gepflegten Netzwerkarbeit. Ein erster Meilenstein im Projekt ist die Durchführung des „Business Talk“ in Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung der Stadt Hattersheim, ein Informationsworkshop für interessierte Unternehmen aus der Region sowie ein erster Netzwerkworkshop Anfang des Jahres.
Netzwerk als Schlüssel
Der Netzwerkworkshop brachte Klient:innen und Fachkräfte aus dem Schlockerhof und der Reha-Werkstatt zusammen. In einer offenen Arbeitsatmosphäre wurde gemeinsam erarbeitet, welche Kooperationen bereits bestehen und wo es noch Lücken gibt. Ein zentrales Ergebnis: Es existiert bereits ein breites Netzwerk, doch dieses Potenzial wird noch nicht überall ausgeschöpft. Gleichzeitig wurde deutlich, dass neue Partnerschaften gezielt aufgebaut werden müssen insbesondere mit Unternehmen, die bislang wenig Berührungspunkte mit inklusiver Beschäftigung haben.
Die Stärke des Workshops lag dabei nicht nur in den Ergebnissen, sondern in der Art der Zusammenarbeit: Alle Beteiligten begegneten sich auf Augenhöhe, Ideen wurden ernst genommen, Perspektiven geteilt. Viele Teilnehmende beschrieben, dass sie sich „gehört“ fühlten – ein wichtiger Baustein für tragfähige Entwicklungsprozesse.
Wo Entwicklung notwendig ist
Trotz positiver Beispiele besteht weiterhin Entwicklungsbedarf sowohl außerhalb als auch innerhalb von EVIM. Viele Unternehmen und Einrichtungen wüssten bislang zu wenig über die konkreten Möglichkeiten, Menschen mit Beeinträchtigungen zu beschäftigen. Häufig bestünden Unsicherheiten oder Vorbehalte, etwa hinsichtlich der Belastbarkeit, der organisatorischen Umsetzung oder vermeintlicher Risiken, berichtet Noura Schmuck. Dabei zeigt die Praxis ein anderes Bild: Beschäftigungsmodelle sind flexibel gestaltbar, ein Einstieg ist beispielsweise auch mit wenigen Tagen pro Woche möglich. Zudem besteht jederzeit ein Rückkehrrecht in die Werkstatt. Das sei ein Sicherheitsnetz für alle Beteiligten, erläutert Noura Schmuck.
Auch innerhalb von EVIM wurde im Workshop reflektiert, dass vorhandene Chancen noch stärker genutzt werden können. Gute Beispiele – etwa in der Altenhilfe oder in Kindertagesstätten – zeigen, wie gewinnbringend inklusive Zusammenarbeit sein kann. Gerade in Kitas entstehen Situationen, in denen Inklusion für Kinder ganz selbstverständlich erlebbar wird und Fachpersonal entlastet wird. Hier liegt ein klares Entwicklungspotenzial: vorhandenes Wissen sichtbarer machen, Erfahrungen teilen und interne Netzwerke noch intensiver nutzen.
Mobilität als entscheidender Faktor
Ein weiteres zentrales Thema ist die Mobilität. Für viele Klient:innen aus dem Schlockerhof stellt die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs eine große Herausforderung dar, insbesondere bei unerwarteten Situationen wie Verspätungen, Gleiswechseln oder Ausfällen. EVIM arbeitet bereits intensiv daran, Handlungssicherheit in solchen Situationen zu stärken. Trainings, Begleitung und Unterstützungsangebote helfen dabei, Selbstständigkeit zu fördern. Gleichzeitig sollen ergänzende Lösungen wie Mitfahrgemeinschaften weiterentwickelt werden. Mobilität ist damit mehr als ein organisatorisches Thema. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für Teilhabe am Arbeitsleben.
Was trägt: Begleitung und Vertrauen
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist das umfassende Unterstützungssystem bei EVIM. Fachkräfte begleiten nicht nur Klient:innen, sondern beraten auch Angehörige, gesetzliche Betreueri:nnen und Unternehmen. Diese kontinuierliche Begleitung trägt dazu bei, Unsicherheiten abzubauen und Vertrauen aufzubauen. Information, persönliche Ansprache und fachliche Expertise erweisen sich immer wieder als entscheidend, um neue Wege zu ermöglichen. Die Erfahrungen zeigen: Wenn alle Beteiligten gut informiert und begleitet sind, entstehen tragfähige Beschäftigungsverhältnisse und echte Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben.
Synergien nutzen und Strukturen stärken
Der Blick nach vorn ist klar gerichtet. Ein zentrales Anliegen ist es, die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen Startklar und Jobfabrik weiter zu intensivieren und vorhandene Kontakte noch gezielter zu nutzen. Regionale Stärken sollen stärker miteinander verknüpft werden: So profitieren beispielsweise andere Bereiche bereits von der guten Vernetzung in Hattersheim. Auch in Wiesbaden, Idstein und Oestrich-Winkel werden aktiv neue Kooperationen aufgebaut. Ein geplantes Austauschtreffen im Mai wird diesen Prozess weiter voranbringen. Ziel ist es, Synergien systematisch zu nutzen, Wissen zu bündeln und gemeinsam noch mehr Unternehmen und Einrichtungen für inklusive Beschäftigung zu gewinnen. (hk)