Landtagspräsidentin Astrid Wallmann im Gespräch mit Bewohnern, in Begleitung von Carsten Tag (l.) und Tanja Salder (2.v.l.) (Foto: Hendrik Jung)

Landtagspräsidentin zu Besuch im Ludwig-Eibach-Haus

Anlässlich des Internationalen Tags der Pflege ist Astrid Wallmann (CDU) zu Gast im EVIM Seniorenzentrum Ludwig-Eibach-Haus. Gemeinsam mit Vertretern der Diakonie Hessen kommt sie hier mit Bewohnern und Mitarbeitenden ins Gespräch und informiert sich über wichtige Zukunftsfragen im Bereich Pflege wie Digitalisierung oder sektorenübergreifende Arbeit.

Zeit für Begegnung und Austausch

Die Präsidentin des hessischen Landtags nimmt viel mit von ihrem Besuch bei der Einrichtung der EVIM Altenhilfe. Das beginnt bereits bei ihrem Besuch einer Gruppe aus je drei Bewohnerinnen und Bewohnern verschiedener Wohnbereiche des Ludwig-Eibach-Hauses. Eine resolute Dame bedauert, dass die Busanbindung ausgerechnet an Feiertagen eingeschränkt sei. Wallmann wirbt zwar um Verständnis dafür, dass es zu solchen Gelegenheiten abgespeckte Fahrpläne gebe, verspricht aber, das Anliegen an den Ortsbeirat des Wiesbadener Ortsbezirks Nordost weiterzugeben, in dem sich die Einrichtung befindet. Auf ihre Frage, wie mobil ihre Gesprächspartner noch seien, erfährt sie, dass einer gerade erst einen privaten Ausflug in den Rheingau unternommen hat. Eine Dame berichtet zudem erfreut von gegenseitigen Besuchen mit einer EVIM Einrichtung im Wiesbadener Vorort Schierstein. Entsprechend groß ist die Begeisterung, als Wallmann sowohl Beschäftigte als auch Bewohnerinnen und Bewohner des Ludwig-Eibach-Hauses zu einem Besuch in den hessischen Landtag einlädt. „Damit sie mal sehen, wo ich so arbeite“, erläutert die Politikerin. 

Mit ihrer Frage nach dem Stand der Digitalisierung des Hauses trifft Wallmann vor allem bei den Beschäftigten auf einen Nerv. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Stephanie Röck freut sich auf die Einführung einer Spracherkennungssoftware für die Pflegedokumentation, die noch im Laufe des Jahres erfolgen soll. „Das wird schon vereinzelt getestet. Wir haben auch Mitarbeitende mit Migrationshintergrund, deren Deutsch nicht perfekt ist. Das scheint aber gut zu funktionieren“, berichtet Einrichtungsleiterin Tanja Salder. Ein Problem sei jedoch, dass man im Ludwig-Eibach-Haus derzeit lediglich während einer Stunde am Tag die Möglichkeit habe, WLAN zu nutzen.

Digitalisierung als zentrales Thema

Digitalisierung ist denn auch eins von zwei Themen, die Wallmann im Anschluss im Gespräch mit Vertreterinnen und Vertretern sowohl der EVIM Altenhilfe als auch der Diakonie Hessen vertieft. „Dass Einrichtungen nur eine Stunde pro Tag auf WLAN zugreifen können, ist eine Herausforderung, die mit der Finanzierung zu tun hat“, verdeutlicht Carsten Tag, der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Hessen. Das Thema Finanzierung werde immer drängender, auch was die Pflege angehe. „Eine wichtige Frage ist, wie das Land Hessen den Einrichtungen helfen kann“, ergänzt Sonja Driebold, die bei der Diakonie Hessen das Ressort Gesundheit, Pflege, Alter leitet. Angesichts von 140 diakonischen Pflegeeinrichtungen regt sie zudem eine Bündelung bei der Umsetzung von Maßnahmen an. Auch dies ein Punkt den Wallmann aus dem Gespräch mitnimmt. Zudem interessiert sie sich für die Schwierigkeiten, die die Einrichtung bei der Personalfindung hat. „Mitarbeitende findet man, wenn man moderne Arbeitsplätze anbietet“, betont Ilka Müller, Geschäftsführerin EVIM gGmbH im Geschäftsbereich Altenhilfe. Dazu gehöre unter anderem die digitale Spracherkennungssoftware für die Pflegedokumentation. Die dadurch gewonnene Zeit, so lautet das einhellige Fazit, kommt den Bewohnerinnen und Bewohnern zugute.  Ein weiteres spannendes Projekt ist ein durch künstliche Intelligenz gestützter Assistenz-Roboter, wie er derzeit im EVIM-Seniorenzentrum in Walluf getestet werde. „Der Roboter ist in der Lage, sich auf frühere Sprachmuster einzustellen und in der Muttersprache zu antworten“, berichtet Müller. Ein Projekt, das großes Interesse bei der Landtagspräsidentin weckt. 

Quartiersarbeit als Zukunftsmodell

Sie nimmt außerdem mit, wie man im Ludwig-Eibach-Haus mit dem Arbeitskräftemangel umgeht, der in den vergangenen Jahren dazu geführt hat, dass die Zahl der Betreuungsplätze von 150 auf 84 gesunken ist. „Hier hat man schon vor zehn Jahren erkannt, dass es nicht möglich sein wird, alle Menschen in Pflegeeinrichtungen zu betreuen“, berichtet Peter Kiel, der bei der EVIM Altenhilfe Einrichtungsleiter ServiceWohnen für Senioren und Quartiersentwicklung ist. Bereits heute würden 83 % der zu Pflegenden zuhause betreut. Eine Zahl, die die Landtagspräsidentin nachhaltig beeindruckt. „Nur 30 % von ihnen erhalten ambulante Hilfe“, ergänzt. Driebold. Diese Option ist rund um das Ludwig-Eibach-Haus im Komponistenviertel und dem Eigenheim gut organisiert dank der Quartiersentwicklung durch eine sektorenübergreifende Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst sowie Haus- und Fachärzten. Das ermöglicht es den dort lebenden Menschen nicht nur, länger selbstbestimmt zuhause zu leben. Es verbessert auch die Arbeitsbedingungen für die Pflegenden erheblich, die die Versorgung fußläufig übernehmen können. „Sie verbringen nicht zwei von acht Stunden im Auto und sind viel flexibler. Sie benötigen nur ein bis zwei Stunden Reaktionszeit“, verdeutlicht Kiel. Der Pflegedienst wiederum benötige weder Fahrzeuge noch Beschäftigte, die über einen Führerschein verfügen. EVIM sei geradezu ein Vorreiter für die Versorgung in Quartieren, lobt Driebold. Problematisch ist allerdings die Finanzierung. „Wir haben nur eine Anschubfinanzierung erhalten und übernehmen das seitdem ergänzend zum ServiceWohnen“, verdeutlicht Kiel. Die Diakonie Hessen fordert daher unter anderem, dass bewährte Modelle nicht an befristeter Projektförderung scheitern dürfen. „Noch gibt es keine validen Zahlen zu den ökonomischen Aspekten“, bedauert Tag. Die Erfolge der sektorenübergreifenden Zusammenarbeit seien bei EVIM jedoch deutlich sichtbar. (Text und Titelfoto: Hendrik Jung; Bildergalerie: Hessischer Landtag)