Die 85-jährige Bewohnerin Margarete Gaida hatte sichtlich Spaß daran, im Beisein der Landtagspräsidentin Astrid Wallmann mit dem KI-Roboter Max über ihre Erinnerungen an damals im Gespräch zu sein. (Foto: ©Hessischer Landtag)

„Hallo Max.“

KI-Roboter begeistert Landtagspräsidentin Astrid Wallmann bei Besuch im EVIM Seniorenzentrum Walluf - Pilotprojekt ging an den Start.

„Hallo Max.“

Kaum sind die beiden Worte ausgesprochen, beginnen die großen Kulleraugen des kleinen Roboters blau zu leuchten. Freundlich blickt er Astrid Wallmann an und begrüßt die Präsidentin des Hessischen Landtags höflich zum ersten gemeinsamen Gespräch. Wenige Sekunden später entwickelt sich ein erstaunlich natürlicher Dialog über das Seniorenzentrum, den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner und später im Wohnbereich sogar über Demokratie und Landtagswahlen. Immer wieder stellt „Max“ Rückfragen, hört zu und knüpft an Gesagtes an.

„Meine Erwartungen wurden mehr als übertroffen“, sagt Astrid Wallmann am Ende ihres Besuchs. „Die Menschen sind auch bei der Technik hier Vorreiter in Hessen. Ich bin gespannt, was sich für EVIM und Hessen daraus weiterentwickelt. Es ist mein erster Termin mit einem Roboter – irgendwann wird er sicher Alltag sein.“

Es ist ein Vormittag voller Neugier, offener Gespräche und ehrlicher Begeisterung. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der Diakonie Hessen besucht die Landtagspräsidentin das EVIM Seniorenzentrum Walluf, um den KI-gestützten Assistenzroboter erstmals im praktischen Einsatz zu erleben. Bereits im Mai war das Pilotprojekt beim Besuch im Ludwig-Eibach-Haus vorgestellt worden. Nun wollte Astrid Wallmann erleben, wie sich Künstliche Intelligenz tatsächlich in den Alltag einer Pflegeeinrichtung einfügt. „Pflege ist ein Thema, das uns alle betrifft – umso mehr in Zeiten einer älter werdenden Gesellschaft“, sagt sie. „Deshalb brauchen wir gute und innovative Lösungen.“

Technik, die Begegnungen ermöglicht

Seit dreieinhalb Wochen gehört „Max“ zum Alltag des Seniorenzentrums Walluf. Als erstes EVIM-Seniorenzentrum und eine der ersten stationären Pflegeeinrichtungen Hessens setzt die Einrichtung den sozialen Roboter des Unternehmens Navel Robotics ein. Ermöglicht wurde die Anschaffung über Spenden in Höhe von rund 35.000 Euro. 

Dabei ist schnell klar: Im Mittelpunkt steht nicht die Technik, sondern der Mensch. „'Max' ist ausdrücklich kein Pflege- oder Assistenzroboter und ersetzt keine Mitarbeitenden“, betont Ilka Müller, Geschäftsführerin der EVIM gGmbH im Bereich Altenhilfe. „Er soll zusätzliche Impulse für Betreuung und soziale Teilhabe geben. Wenn Mitarbeitende und Bewohner gleichermaßen von seinem Einsatz profitieren, haben wir unser Ziel erreicht.“

Ob Gedächtnistraining, Musik, Gedichte, Sprichwörter oder biografische Gespräche – der Roboter liefert Impulse, stellt Fragen, erinnert sich an Gesprächsinhalte und unterstützt Betreuungskräfte dabei, Gruppen- und Einzelangebote lebendig zu gestalten. Die Verantwortung bleibt dabei jederzeit in den Händen der Mitarbeitenden.

Der Weg dorthin war länger als gedacht

Bis „Max“ tatsächlich zum Einsatz kommen konnte, vergingen mehrere Monate intensiver Vorbereitung. Datenschutz, technische Infrastruktur, Einwilligungen, organisatorische Abläufe und Schulungen verlangten dem Team einiges ab. „Wir haben den Aufwand an einigen Stellen unterschätzt“, sagt Einrichtungsleiterin Stephanie Raesch. „Gerade Datenschutz und die vielen Gespräche mit Bewohnerinnen, Bewohnern und Angehörigen haben deutlich mehr Zeit beansprucht als erwartet. Heute sehen wir aber, dass sich diese Sorgfalt gelohnt hat. Die Akzeptanz ist groß – und im Team ist ein richtiger Aufbruch entstanden. Viele erleben, dass sie Teil eines innovativen Projekts sind.“

Auch technisch verlief nicht alles reibungslos. Firewall-Einstellungen mussten angepasst werden, Software aktualisiert werden und die autonome Navigation des Roboters befindet sich noch in der Weiterentwicklung. Für das Team gehören diese Erfahrungen inzwischen selbstverständlich zu einem Pilotprojekt.

Skepsis wich schnell der Neugier

Auch Pflegedienstleiter Jakov Micic war zunächst zurückhaltend. Ein Besuch in einer Einrichtung, die bereits mit dem Roboter arbeitete, änderte seine Sicht. „Entscheidend war für mich, dass wir die Inhalte mitgestalten konnten. 'Max' richtet sich nach unseren Bedürfnissen – nicht umgekehrt. Er unterstützt unsere Arbeit und orientiert sich an den Menschen, die hier leben.“

Wie gut das inzwischen funktioniert, erleben die Gäste wenig später im Wohnbereich. Gemeinsam mit Betreuungskraft Armin Ulbig spricht „Max“ mit der 85-jährigen Bewohnerin Margarete Gaida über Lieblingsgerichte, Kindheitserinnerungen und große Familienfeste. Aus kurzen Fragen entwickelt sich ein lebendiges Gespräch. Frau Gaida erzählt vom gemeinsamen Kochen, vom leckeren Bohneneintopf und anderen Gerichten, die früher für die ganze Familie zubereitet wurden, und lächelt. „Das hat mir gefallen“, sagt sie anschließend. „Ich war sofort dabei, als ich von dem Roboter hörte.“

Armin Ulbig musste sich zunächst an den neuen Kollegen gewöhnen. „Am Anfang waren viele skeptisch – ich übrigens auch“, erzählt er lachend. „Aber er sieht einfach sympathisch aus. Gerade bei Gruppenangeboten ist er eine wirkliche Unterstützung. Wenn wir Name, Stadt, Land spielen und einen Fluss mit X suchen, gehen ihm die Ideen nicht aus. Mittlerweile macht die Arbeit mit ihm richtig Spaß.“

Digitalisierung braucht gute Rahmenbedingungen

Die ersten Erfahrungen zeigen bereits, dass „Max“ Betreuungskräfte spürbar entlasten kann. Gesprächsrunden müssen nicht mehr aufwendig vorbereitet werden. Statt Material zusammenzustellen, können sich Mitarbeitende stärker auf die Menschen konzentrieren. Gleichzeitig entstehen neue Gesprächsanlässe, die Erinnerungen wecken und soziale Teilhabe fördern. Für Christian Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen, weist das Projekt weit über Walluf hinaus. „Der Empathie-Roboter Max zeigt, welches Zukunftspotenzial in der Pflege steckt: Digitale Technologien können Pflegekräfte entlasten und mehr Teilhabe ermöglichen. Damit solche Ansätze wirken, müssen Erfahrungen aus der Praxis gebündelt und in eine verbindliche Strategie überführt werden. Digitalisierung ist kein Zusatz, sondern zentral für eine zukunftsfeste Pflege – und braucht verlässliche Finanzierung.“

Auch EVIM versteht das Pilotprojekt als Auftakt für weitere Digitalisierungsschritte. Sprachgestützte Dokumentation, intelligente Gebäudetechnik oder Service- und Reinigungsrobotik sind Beispiele für Entwicklungen, die künftig den Arbeitsalltag erleichtern können, berichtet Ilka Müller. „Wenn diese Vorhaben dem Menschen sichtbar und erkennbar dienen, ist es gut investiertes Geld,“ sagte EVIM Vorstand Jörg Wiegand. 

Am Ende des Besuchs bleibt vor allem eines in Erinnerung: die offene Atmosphäre, die vielen interessierten Fragen und die Freude darüber, gemeinsam Neuland zu betreten. Immer wieder geht es an diesem Vormittag um die gleiche Erkenntnis: Künstliche Intelligenz entfaltet ihren größten Nutzen dort, wo sie Menschen nicht ersetzt, sondern Begegnungen ermöglicht.

Oder, wie Astrid Wallmann es beim Abschied formuliert: „Das ist ein echtes Highlight.“ (Text: evim/hk; Fotos ©Hessischer Landtag)